Welcome im Willkommensraum Obertürkheim

Es ist vollbracht: Das Gemeindeleben in Obertürkheim wird bunter und vielfältiger, denn mit einem fulminanten Eröffnungsfest hat nun der „Willkommensraum“ im Luthersaal der Obertürkheimer Andreaskirche seine Pforten geöffnet. Die neuartige Begegnungsstätte - ein Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde Obertürkheim – wird mit 30.000 Euro aus dem Pakt für Integration der Stadt Stuttgart unterstützt.

Die multifunktionale als auch multikulturelle Einrichtung heißt nicht nur in Obertürkheim lebende Flüchtlinge sondern alle ObertürkheimerINNEN, egal welcher Religionszugehörigkeit, Herkunft oder gesellschaftlicher Zielrichtung, willkommen. Dafür wurde extra ein Programm mit interessanten Werkstatt-Angeboten, Frauen-treff, Bastel- und Spielangeboten für Kinder sowie Sprachunterricht konzipiert. Zudem kann aus den Fördergeldern eine professionelle Kraft eingestellt werden. Friederike Weltzien, Pfarrerin an der Andreaskirche, freut sich, denn die Ausgangssituation war weniger rosig: „Reißt den Kasten ab - diese Aussage eines Mitgliedes des Oberkirchenrates klingt noch vielen Gemeindegliedern der Kirchengemeinde Obertürkheim in den Ohren. Doch genau diese Aussage brachte unsere Gemeinde in Bewegung!"

Bald war klar: Die Gemeinde wollte diese Räume nutzen und es gibt genügend Menschen, die genau diese Räume brauchen, denn sie waren einmal genial geplant für den Bedarf der Obertürkheimer Bevölkerung in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Zusammensetzung der Bevölkerung hat sich sehr verändert aber das Bedürfnis einander kennenzulernen und den komplizierten Alltag zu erleichtern, dadurch dass man versucht ihn gemeinsam zu bewältigen, das ist gleich geblieben. Menschen treffen aufeinander, die nie etwas miteinander zu tun gehabt hätten, gäbe es nicht den Willkommensraum in Obertürkheim.

Und jetzt brutzeln Fallaffel im Öl, während gleichzeitig die Butterbrezeln geschmiert werden. Die Küche ist der Ort, wo die Kulturen am offensichtlichsten aufeinandertreffen. Kann denn unsere schwäbische Küchenordnung mit den orientalischen Kochgewohnheiten mithalten? Immer wieder knirscht es zwischen den alteingesessenen Gemeindegliedern und den neu zugezogenen geflüchteten Menschen. Ist es wirklich sauber genug nach dem großen Essen zum Fastenbrechen, dem Iftar? Kann das denn überhaupt sein? Aber es schmeckt! Jedes Mal ist alles weggeputzt, was da gemeinsam vorbereitet wurde. Von der Küche aus dehnen sich die Begegnungen aus in den Alltag hinein.

Da sitzen am Montagnachmittag die Brückenbauerinnen im Café. Das sind Frauen, die aus den verschiedensten Ländern bereits in Deutschland angekommen sind. Sie bringen ihre Sprachkenntnisse, ihre Erfahrungen mit der Bürokratie und dem deutschen Schulwesen ein. An einem Nachmittag kommt z. B. ein junger Syrer. Er zieht einen Zettel aus der Tasche mit einer viel zu hohen Stromrechnung. Was hat er denn da nur falsch gemacht? Es stellt sich im Gespräch heraus, dass er im Winter mit dem Elektroofen zusätzlich die Wohnung geheizt hatte, denn sein Neugeborenes sollte doch nicht frieren.

Da sitzen verschiedene Syrer aus der Gruppe „Flüchtlinge helfen Flüchtlingen“. Sie haben Fortbildungen gemacht im Umgang mit Konflikten und versuchen sich gegenseitig und anderen mit ihren Erfahrungen weiterzuhelfen. Die ganze Zeit surrt die Nähmaschine und der Samowar blubbert. "Es ist fast so etwas wie ein großes Wohnzimmer, in dem ein ganz kleines Stück Weltpolitik passiert", so Pfarrerin Friederike Weltzien lachend. Menschen üben sich ein, in Frieden miteinander zu leben. An Weihnachten werden die moslemischen Freunde eingeladen, im Gottesdienst mitzuwirken und anschließend einen Weihnachtscafé zu trinken. Und nach dem Ostergottesdienst wartete ein Überraschungsfrühstück auf die Gemeinde, von den moslemischen Freunden zubereitet.

Die aktuellen Angebote im Obertürkheimer Willkommensraum in der Andreaskirche liegen vor und Pfarrerin Weltzien ist erleichtert: "Mit kirchlichen Geldern allein, könnten wir weder die Arbeit fortführen noch das Gebäude für die Gemeinde erhalten. Über den Pakt für Integration findet der Raum zurück zu seiner eigentlichen Bestimmung! Willkommen im neuen Wohnzimmer von Obertürkheim!“

Text & Bilder: Pfarrerin Friederike Weltzien

Angebote im Willkommensraum der Andreaskirche Obertürkheim