Vesperkirche Stuttgart geht in die 25. Saison

Wenn am 13. Januar 2019 um 10 Uhr die Kirchenglocken der Leonhardskirche zum Gottesdienst einladen, ist das der Auftakt für die 25. Saison der Vesperkirche Stuttgart.

© Monika Johna

Die 25. Vesperkirchen-Saison kann kommen...

Dann gibt es für die zahllosen Obdachlosen und Menschen am Rande der Gesellschaft wieder 7 Stunden an 7 Tagen über 7 Wochen hinweg die Möglichkeit, ein „Zuhause auf Zeit“ mit warmem Essen, medizinischer Versorgung sowie gegenseitigem Austausch und seelsorgerischem Gespräch zu haben.

„Einerseits ist das Jubiläum ein erfreuliches Ereignis, denn die Vesperkirchen-Gäste fragen schon seit Wochen, wann es wieder losgeht, wie es wohl werden wird und auch die Ehrenamtlichen stehen in den Startlöchern. Andererseits ist das auch ein Moment, innezuhalten und zu fragen, was sich in den vergangenen 24 Jahren für arme Menschen in so einer reichen Stadt wie Stuttgart verändert hat, wo wir heute stehen und was sich noch ändern muss“, so der Cannstatter Dekan Eckart Schultz-Berg.

1995 haben der damalige Diakoniepfarrer Martin Friz und andere gesehen, dass Stuttgart eine weitere Einrichtung gut tut, in der Menschen aus allen Armutsgruppen für eine begrenzte Zeit zusammenkommen können und gleichzeitig ein Zuhause auf Zeit haben. Teilhabe und nicht Ausschluss aus der Gesellschaft sollte der Weg der Zukunft sein.

„Und der Weg, der damals eingeschlagen wurde, hat Früchte getragen: Zwischenzeitlich gibt es von der Stadt Stuttgart die Bonus-Card für Menschen, die ALG II oder Grundsicherung bekommen. Es gibt die Familien-Card für Familien, die armutsgefährdet sind und 2019 wird eine Armutskonferenz in Stuttgart stattfinden“, so Schultz-Berg weiter.

Denn die Vesperkirche Stuttgart ist ein Format, das Menschen zusammenführt, das sich ausbreitet und wächst. Mittlerweile gibt es in Württemberg 33 Vesperkirchen. Zwar hat jede einen eigenen Charakter, aber alle tragen das Thema Armut in die Mitte der Gesellschaft.

Für 2019 haben über 850 ehrenamtlich Mitarbeitende ihre Unterstützung während der Vesperkirchenzeit (13.01. – 02.03.2019) zugesagt: rund 300 Einzelpersonen und 39 Gruppen mit bis zu 570 Personen.

 

Zu dem Bewährten – warmes Essen und Getränke, Vesperbeutel, medizinische Versorgung, Friseurbesuch, gegenseitiger Austausch, Gottesdienste und Seelsorge sowie Kulturprogramm und politisches Format „Politiker hören zu“ – kommt Neues hinzu: optisch eine neue Bildmarke und ganz praktisch ein verbessertes Toiletten-Konzept.

Damit künftig die Vesperkirche Stuttgart noch mehr am Puls der Zeit bzw. an der Not der Menschen ist, wird in der 25. Saison das Vesperkirchen-Forscherteam „Gäste befragen Gäste“ zum Einsatz kommen.

Zusätzlich wird es eine Person geben, die sich für mehrere Tage in der Vesperkirche Stuttgart speziell um Menschen aus Osteuropa kümmert. Auch der Kontakt zu verschiedenen Einrichtungen, die Menschen mit einer Suchtproblematik unterstützen, wurde verstärkt.

Der Auftakt-Gottesdienst der Vesperkirche Stuttgart findet am 13. Januar 2019 um 10 Uhr
in der Leonhardskirche
unter dem Motto „Gemeinsam ein Licht entzünden“ statt. Gestaltet wird er von Prälatin Gabriele Arnold, Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann sowie den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben. Dabei wird das Licht in Form von Kerzen weitergereicht und verbindet sich zu einem Lichtermeer, das deutlich macht: Gemeinsam statt arm und einsam.

Kultur in der Vesperkirche Stuttgart 2019