Pfarrer Jonas Helbig verabschiedet sich in den Unruhestand

Nach über 24 Jahren im Gemeindepfarramt verlässt Pfarrer Jonas Helbig Vaihingen und geht in den Ruhestand, besser gesagt in den Unruhestand, wie er uns in einem Interview erzählte.

6 Fragen an Jonas Helbig...

© Jonas Helbig

Jonas Helbig auf dem Weg von Klaka nach Shimla im Himalaya (2200m)

Doch bevor Pfarrer Helbig schon wieder auf gepackten Koffern sitzt und den nächsten Zug nach Nirgendwo nimmt - auf dem Foto ist er übrigens gerade von Klaka nach Shimla im Himalaya (2200m) unterwegs - haben wir ihn noch kurz zum Interview gebeten.

RED: Pfarrer sein ist ja eher eine Berufung als ein Beruf – kann man da überhaupt einfach so in den "Ruhestand" gehen?

JH: Also, ich bleibe ordinierter Pfarrer bis an mein Lebensende und habe eben jetzt nur mein Gemeindepfarramt beendet. Das heißt, sowohl die Kasualien Taufe, Hochzeit und Beerdigung als auch Gottesdienste werde ich auch weiterhin halten können.

RED: Gestern noch konfirmiert (2. April 2017) und morgen schon im Ruhestand oder wird es bei Ihnen eher ein „Unruhestand“?

JH: „Ruhestand“ ist für mich ein völlig verfehlter Ausdruck. Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt, den ich nicht bestimmt habe. Als Pfarrer, der in das Kirchenjahr mit seinen verschiedenen Ereignissen einbezogen ist und sie mitgestaltet, habe ich dieses letzte Kirchenjahr sehr „abschiedlich“ erlebt: Alle gemeindebezogenen und kirchlichen Ereignisse waren für mich das letzte Mal! So lasse ich mich auf diesen neuen Lebensabschnitt erwartungsoffen und „anfänglich“ ein und plane erst mal überhaupt nicht.

RED: Warum wollten Sie eigentlich Pfarrer werden? Gab es noch andere berufliche Alternativen?

JH: Da ich in den Jahren vor dem Abitur von dem damaligen Pfarrer und seiner Frau, mit dessen beiden Söhnen ich befreundet war, wie ein Sohn aufgenommen wurde, war es nicht ich, der Theologie studieren wollte, ja sogar Pfarrer werden wollte, nein, dieser Pfarrer ermutigte mich, er traute mir zu, wozu ich aus eigenem Willen nicht das Vertrauen gehabt hätte.

RED: Welche Situation/en bleibt/en Ihnen nach fast einem Viertel Jahrhundert am meisten in Erinnerung?

JH: Da ich immer versuche die Aufgaben und Begegnungen möglichst präsent und durchlässig zu erleben, kann ich im Nachhinein sagen, dass für mich der Pfarrberuf viel mit dem Beruf der Hebamme zu tun hat: Menschen Zeit und Raum zu eröffnen ihr eigenes Leben zu entdecken und zu gestalten. So zum Beispiel, wenn ich in den Augen von Schülerinnen und Schülern Begeisterung und Dankbarkeit entdeckte, wenn in den Augen von Konfirmandinnen und Konfirmanden Stolz und Freude auftauchte, wenn im Gottesdienst eine hörbare Aufmerksamkeit und Offenheit spürbar wird, wenn ich Menschen vorsichtig begleitete, die am Abgrund ihres Lebens standen und „wortlos“ Danke sagten, dass ich da war, dann erlebte ich diesen Beruf als Geschenk und große Verantwortung.

RED: Ist bei Ihnen ein Wohnortwechsel geplant?

JH: Mit dem Ende als Gemeindepfarrer habe ich auch die Dienstwohnung zu verlassen.  Für mich kommt eine Wohnung in Vaihingen nicht in Frage, weil ich dann zwar in vertrauter Umgebung bliebe, aber keine Aufgabe und kein Amt hätte und ich meinem Nachfolger einen ungestörten Anfang und eigenständiges Wirken ermöglichen möchte.

RED: Und nun die letzte Frage an so einen erfahrenen Pfarrer wie Sie: Welcher Leitspruch, Psalm oder Vers passt immer?

JH: Es sind zwei Verse aus dem 31 Psalm, die meinem Leben, gerade in schweren und belastenden Situationen, Orientierung und Kraft gegeben haben: "Du stellst meine Füße auf weiten Raum." (9b) und "Meine Zeit steht in deinen Händen." (16a).

RED: Dann wünschen wir Ihnen alles Gute für den "Gleiswechsel" - vom diensthabenden Pfarrer zum "Unruheständler" - und für Ihren Abschiedsgottesdienst am 30. April 2017 um 10.00 Uhr in der Stadtkirche Stuttgart-Vaihingen nochmals bewegte Begegnungen und schöne Erinnerungen.