Neue Doppelspitze beim HOSPIZ STUTTGART

Das HOSPIZ STUTTGART führt seit Anfang des neuen Jahres nun mit einer Doppelspitze seine Geschäfte. Neben Pfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch, die bislang allein die Geschäftsführung innehatte, ist nun seit dem 1. Januar 2018 Antje Heusel die neue kaufmännische Geschäftsführerin. Die Entscheidung zu Doppelspitze war notwendig geworden, nachdem die Zahl der hauptamtlich Mitarbeitenden seit der Neugründung des Stationären Kinder- und Jugendhospizes Stuttgart im vergangenen November auf über 90 geklettert war.

6 Fragen an Antje Heusel...

© Stefan Müller

Die Geschäftsführung vom HOSPIZ STUTTGART: Antje Heusel und Pfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch

Die neue "Frau der Zahlen" beim HOSPIZ STUTTGART wollen wir Ihnen mal ein bisschen genauer vorstellen, doch nicht nur Zahlen sind ihr Ding, offensichtlich hat es ihr auch der Kirchenkreis schon länger angetan.

RED: Liebe Frau Heusel, seit 1. Januar 2018 sind Sie die neue kaufmännische Geschäftsführung im HOSPIZ STUTTGART und im Regelfall zieht man mal nach den ersten 100 Arbeitstagen Bilanz und schaut genau hin, wie sich in Ihrem Fall „die Geschäfte“ so angelassen haben… Wie kam es denn überhaupt zu dieser leitenden Doppelspitze im HOSPIZ STUTTGART?

AH: Wahrlich, 100 Tage, die wie im Flug vorbeigegangen sind und ich maße mir noch nicht an, das Hospiz nun im Detail zu kennen... Dazu wird es noch eine ganze Weile brauchen. Ich bin, bzw. meine Stelle ist, so kann man es vielleicht am ehesten formulieren, dem enormen Wachstum des Hospizes geschuldet. Durch die Eröffnung des ersten Stationären Kinder- und Jungendhospizes in Baden-Württemberg sind die Aufgaben für die Gesamtleitung so angewachsen, dass eine Verteilung auf zwei Köpfe die logische Konsequenz war. Das Aufgabengebiet und die Themenfülle erstreckt sich von der spirituellen, konzeptionellen Ausrichtung dieses höchst sensiblen Arbeitsfeldes bis hin zu nüchternen Einzelverhandlungen mit den Krankenkassen. Ein weiter Bogen für jemanden, der dies alleine stellen soll.

RED: Mit Pfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch, die man ja bereits seit Jahren als Gesicht und Gesamtleitung im HOSPIZ STUTTGART kennt, haben Sie sich neu nun als Doppelspitze in der Leitung aufgestellt. Wer von Ihnen beiden übernimmt denn nun welchen Part mit welchen Schwerpunkten?

AH: Ich hatte es schon angedeutet und auch hier ist „nomen est omen“ übernimmt Frau Kunze-Wünsch den ersten Part und ich widme mich den Dingen, die mehr im Hintergrund laufen, ohne die jedoch ein Hospiz nicht funktionieren würde. Das ist leider auch in unserem sensiblen Bereich nicht anders als bei anderen sozialen Einrichtungen. Mein Tätigkeitfeld versteht sich also so, dass alle ablauforganisatorischen und verwaltungstechnischen Themen in mein Aufgabengebiet fallen. In der Mitte treffen sich unsere Zuständigkeiten. Hier sind Frau Kunze-Wünsch und ich noch dabei, die Feinheiten abzustimmen. Endgültig wird das auch sicherlich noch eine Weile in Anspruch nehmen, da ich mir ja erst einmal einen gesamten Überblick verschaffen muss. Darüber hinaus sind wir, was das Stationäre Kinder- und Jugendhospiz anbelangt, auch noch ganz am Anfang unserer Erfahrungen.

RED: Blicken wir mal ein bisschen auf Ihre berufliche Vita... Wo kommen Sie her und was bringen Sie für Ihre Tätigkeit als kaufmännische Geschäftsführung im HOSPIZ STUTTGART mit?

AH: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Gebürtig komme ich aus Bonn, bin dann mit 9 Jahren mit meinen Eltern nach Norddeutschland, genauer gesagt nach Oldenburg, gezogen. Mit Frau Kunze-Wünsch und mir hat das HOSPIZ STUTTGART somit eine komplett norddeutsche Spitze bekommen und wir genießen es, uns mit "Moin, Moin" (Anmerkung RED: norddt. Grußformel) zu begrüßen. In Oldenburg habe ich nach dem Abitur eine Ausbildung bei einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen zur Steuerfachgehilfin gemacht. In diesem Beruf habe ich lange Jahre gearbeitet, bin wieder nach Bonn zurückgezogen, habe eine Familie gegründet und bin stolze Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Als die Kinder klein waren, habe ich mir – mit viel Disziplin und Verzicht – den Wunsch erfüllt, Literaturwissenschaft und Geschichte an der Fernuniversität in Hagen zu studieren. So konnte ich auch ohne Kitaplatz Familie und Beruf bzw. Studium gut unter einen Hut bekommen und habe die Uni mit dem Magister in Geschichte abgeschlossen. Mit Mitte 30 – meine Mädels waren aus dem gröbsten raus – habe ich mich parallel zum Studium nach einem Job umgesehen. Der Zufall wollte es so, dass ich schließlich im Sommer 2006 bei der Diakoniestation Stuttgart gelandet bin. Dort habe ich nach kurzer Zeit neben der Finanzbuchhaltung auch die Leitung der Personalabteilung übernommen und war schließlich seit 2009 als Verwaltungsleitung tätig. Somit habe ich zwar meinen Arbeitsort, nicht aber meinen Arbeitgeber gewechselt. Der war auch damals schon der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart. Die Diakoniestation Stuttgart ist ebenfalls von 2009 an extrem gewachsen und ich beruflich mit ihr. Waren wir anfänglich 100 MitarbeiterINNEN in vier Pflegstützpunkten, so hatte ich zum Schluss die Personalverantwortung für 500 MitarbeiterINNEN und 15 Stützpunkte. Mit diesem Wachstum ging immer auch eine Integration, Neuausrichtung und Organisationsveränderung einher, so dass die Aufgaben, die ich hier vorgefunden habe, mir nicht fremd sind. Neue Abläufe oder Veränderungen an sich lösen bei allen Beteiligten Befürchtungen aus, bieten gleichzeitig aber auch viele neue Chancen. Diese Chancen heißt es zu nutzen und das möchte ich tun.

RED: Aha, dann sind Sie also lediglich von A nach B, besser gesagt von C nach D, also Cannstatt auf die Diemershalde gewechselt. Und - 100 Tage HOSPIZ STUTTGART. Wie fällt bislang Ihre persönliche Bilanz aus?

AH: Wie gesagt, aufgrund des enormen Aufgabenzuwachses vom HOSPIZ STUTTGART heißt es Ärmel hochkrempeln und machen! Eigentlich ist es ganz wunderbar, gestalten zu können und nicht nur ausgetretene Pfade zu beschreiten. Das Wunderbarste, was ich hier allerdings erleben darf, ist, dass alle Kolleginnen und Kollegen sowie die vielen Ehrenamtlichen – egal ob neu oder alt – mit einer Herzlichkeit bei der Sache sind, die sicherlich so schnell nicht wo anders zu finden ist!

RED: Welche Aufgaben und Themen wollen Sie in naher Zukunft konkret anpacken?

AH: Ich werde mich vorrangig darum kümmern, die innerbetrieblichen Aufgaben so zu organisieren und zu strukturieren, dass keine Doppelungen vorkommen, Transparenz geschaffen ist und wir alle miteinander unsere Arbeit gut erledigen können. Und dass unsere Gäste von all diesen Hintergrundthemen gar nichts mitbekommen.

RED: Und wenn Antje Heusel abends den Computer runterfährt und die Geschäfte im HOSPIZ STUTTGART ruhen lässt, wie und wo sind Sie anzutreffen?

AH: Zum Ausgleich treibe ich viel Sport. Am liebsten gehe ich schwimmen oder joggen in der Natur. Auch bin ich in unserem Triathlon-Verein ehrenamtlich tätig. Und lesen, ja, das tue ich natürlich nach wie vor gerne – gerne F. Scott Fitzgerald, Jane Austen oder John Irving... Sie sehen, auch dies ist ein weites Feld…

RED: Vielen lieben Dank, Frau Heusel und: Packen Sie es an!