Fußball-WM 2018 im Evangelischen Kirchenkreis

Von Degerloch bis Cannstatt - die Kirchengemeinden in allen Dekanaten rüsten sich fürs „Public Viewing“. „Das Runde muss ins Eckige“ sagte bei der WM 1954 schon Bundestrainer Sepp Herberger. Hat ja dann mit dem „Wunder von Bern“ (Ungarn – Deutschland 2:3) prima geklappt! Jetzt darf das DFB-Team - ohne Leno, Tah, Petersen und Sané - rund um Bundestrainer Jogi Löw bei der Fußball WM 2018 (14. Juni – 15. Juli 2018) in Russland wieder auflaufen und wir auf Wunder hoffen.

6 Fragen an Jugendpfarrer Matthias Rumm...

© MR

Jugendpfarrer Matthias Rumm tauscht gerne mal Talar gegen Trikot

In allen vier Stuttgarter Dekanaten gibt es die Möglichkeit zum Public Viewing der WM auf Großbildleinwänden - siehe Infobox! Jugendpfarrer Matthias Rumm, der gerne mal seinen Talar gegen ein Trikot tauscht, ist ebenfalls ein ausgemachter Fußball-Fan, der der Weltmeisterschaft schon entgegenfiebert. Vor dem offiziellen Anpfiff haben wir ihn zu einem kurzen Interview gebeten.

RED: Herr Rumm, vom 14. Juni bis zum 15. Juli 2018 findet in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 statt. Spielen wir mal mit einem Klischee: Ein Pfarrer interessiert sich doch nicht für Fußball oder etwa doch?!

MR: Aber sicher! Ich liebe Fußball – neben dem Platz beim Zuschauen und Mitfiebern oder auf dem Platz. Fußball war und ist bis heute ein guter Ausgleich. Schon in der Jugend spielte ich gerne und schaute bei den Stuttgarter Kickers oder beim VfB Stuttgart zu. Unzählige Höhen und Tiefen habe ich da erlebt. Doch das ist Fußball - immer wieder überraschend. Während meiner Studienzeit spielten wir mindestens ein Mal pro Woche und forderten andere Studienhäuser und Wohnheime zu Spielen heraus. Heute schaue ich mehr, als dass ich selbst spiele. Aber das hat auch seinen Reiz. Auch wenn Fußball ein großes Geschäft geworden ist, bleibt doch die Faszination bestehen. Und auch wenn das nun meinerseits etwas klischeehaft klingen mag: Ein Spiel dauert mindestens 90 Minuten und es kann viel passieren, was nicht geplant oder mit Geld gekauft werden kann. Das macht es interessant!

RED: Auge um Auge, Zahn um Zahn (2. Mose 21,24) – kleiner Scherz am Spielfeldrand - aber wie viel Theologie steckt denn eigentlich in der Mannschaftssportart Fußball?

MR: Sie sagen es: Fußball ist ein Teamsport. Elf Freunde müssen es nicht direkt sein, aber elf Menschen versuchen gegen andere elf ein Spiel zu gewinnen. Doch sie sind nicht allein, der sogenannte 12. Mann, die Zuschauer sind auch ein Faktor und dazu die Ersatzspieler, der Trainerstab, das gesamte Umfeld. Bestenfalls bilden alle eine große Gemeinschaft, in der jeder und jede wichtig ist. Das ist ein Stück weit wie im Christentum. Auch das ist auf Gemeinschaft ausgerichtet. Einer kann zwar allein an Gott glauben, aber in der Gemeinschaft wird der Glaube erlebt, im Zusammenhalt, im gemeinsamen Feiern der Höhen und im gemeinsamen Aushalten der Tiefen. Das erleben Menschen auch mit „ihrem Verein“. Wenn ich im Stadion bin, dann erlebe ich Menschen, für die der Fußball auch eine Art Religion ist. Sie binden sich mitunter mit ihrem ganzen Leben an einen Verein. Das kommt in ihrem Auftreten, ihrer Passion und auch in den Gesängen zum Ausdruck. In vielen Kurven wird ein englischer Song, „You’ll never walk alone“ gesungen – „Du gehst nicht allein“, wenn das nicht religiös ist?!

RED: Russland ist als Gastgeber für die WM gesetzt und trifft im Eröffnungsspiel auf Saudi-Arabien (DO 14.6. um 17 Uhr). Wo werden Sie in der ersten Reihe sitzen und das Public Viewing genießen?

MR: Leider habe ich zum Zeitpunkt des Eröffnungsspiels eine Sitzung. Vielleicht ist es möglich einen Teil der zweiten Hälfte im Café 44 in der Fritz-Elsas-Straße zu sehen. Dort werden einige Spiele gezeigt und es gibt eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Also genau das Richtige nach einer Arbeitssitzung.

RED: Apropos, Public Viewing – sagt man ja im deutschen Sprachgebrauch so. Aber da sind wir im eigentlichen Sinne des Wortes ja schon wieder in der Kirche oder?

MR: In gewisser Weise schon [Anmerkung RED: Herr Rumm lacht]. Da fällt mir eine kleine Anekdote ein. Vor einigen Jahren telefonierte ich während eines großen Fußballturniers mit meinem jetzt leider schon verstorbenen Onkel in England. Er fragte mich, ob ich denn heute Abend auch das Match ansehen würde. Ich antwortete, dass ich zum Public Viewing gehen würde. Da stockte er und sagte mit entsetzter Stimme: „Oh, that’s sad. Who died?“ (Oh, das ist traurig. Wer ist gestorben?). Daraufhin war ich etwas verwirrt und mein Onkel erklärte mir, dass im englischen der Begriff "public viewing" nicht für gemeinschaftliches Fußballschauen steht, sondern für die öffentliche Leichenschau.

RED: Deutschland gehört als amtierender Fußball-Weltmeister zu den Favoriten neben Spanien, Frankreich, Belgien, Brasilien und Argentinien. Für wen schlägt ihr Fußball-Herz?

MR: Ich sehe gerne den technisch und taktisch hochwertigen Fußball der Spanier. Auch vor den Franzosen habe ich hohen Respekt. Immer wieder betreten von dort große Talente, die später zu Weltklassespielern werden, die große Bühne des Fußballs. Am Ende gibt es aber nur ein Team, das für mich zählt und das ist die deutsche Fußballnationalmannschaft.

RED: Und zum guten Schluss bitte die „weise“ Voraussage eines Theologen zum Endspiel:

MR: Deutschland gelingt die Titelverteidigung im Finale gegen Frankreich, vielleicht sogar im Elfmeterschießen, sagen wir 7:6.

RED: Dann hoffen wir das mal - vielen Dank Herr Rumm und viel Spaß beim Fußballschauen!