Und Sie so...? Fundraising

"Und, was machen Sie beruflich so?" "PfarrerIN." Eine Standardantwort, wenn man sich bei der Evangelischen Kirche in Stuttgart so umhört und jede/r kann sich sofort etwas darunter vorstellen. Doch was tut in der Gesamtkirchengemeinde eine Fundraiserin? Wir haben nachgefragt...

6 Fragen an Fundraiserin Marion Ebach...

© Marion Ebach

Marion Ebach sammelt Spenden für die Gesamtkirchengemeinde und das Hospiz Sutttgart

Marion Ebach, so heißt die Fundraiserin der Gesamtkirchengemeinde. Doch was macht sie in ihrer Stabstelle? Die Redaktion hat mal an ihre Bürotür geklopft.

RED: „Stabstelle Fundraising“, über diese Stellenbezeichnung stolpert man ja schon beim Lesen des Türschilds, liebe Marion. Hat das was mit irgendwelchen „FUNDstücken“ zu tun oder macht dir deine Arbeit einfach nur „FUN“, also Spaß?

ME: Nein, mit FUNDstücken hat das nichts zu tun, aber Spaß macht das Fundraising auf jeden Fall. Der Begriff "Fundraising" kommt aus dem Englischen und bedeutet grob übersetzt "Spendensammeln" oder "Mittelbeschaffung". Diese Begriffe greifen aber zu kurz, denn ohne eine passende Strategie funktioniert das Spendensammeln nicht. Fundrasing bedeutet deshalb auch nicht schnell mal Spenden zu sammeln, sondern ist immer langfristig angelegt mit Blick auf die vielen unterschiedlichen SpenderINNEN. Zu einer erfolgreichen Strategie gehört vor allem eine systematische Analyse der Situation, die genaue Planung und Durchführung und zum Schluss die Kontrolle bzw. Auswertung des Projekts. Nur die Kombination verschiedener Methoden führt langfristig zum Erfolg. Deshalb sind Mailings, also Spendenbriefe, genauso wichtig wie der direkte Kontakt zu Einzel- und Großspendern, Benefizveranstaltung und eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten und diese müssen immer für jedes Projekt neu definiert werden.

RED: Ah, verstehe. Wenn ich also unerwartet Post von der Evangelischen Kirche in Stuttgart bekomme, dann steckst häufig du dahinter. Für welche Projekte suchst du denn UnterstützerINNEN?

ME: Ja, genau. Die Evangelische Kirche in Stuttgart ist Träger vieler sozialer Einrichtungen, wie z. B. den Waldheimen, Schulen, Kindertagesstätten und Kinder- und Familienzentren, die alle auf höchstem Niveau arbeiten. Vieles Zusätzliche kann aber nur über Spenden finanziert werden. Aktuell wird Dank der vielen Spenden, die wir erhalten haben, die Kinderkirche in Stuttgart gefördert. Konfirmandinnen und Konfirmanden werden ausgebildet und gestalten aktiv die Kinderkirche mit. Hier geht es darum, die Kirche auch für die jüngeren Mitglieder mit entsprechenden Angeboten attraktiv zu machen.

RED: Und dann gibt´s da ja noch den Stuttgarter Beitrag, der immer so kurz vor der Adventszeit in die Briefkästen in Stuttgart-Mitte flattert. Was hat es denn damit auf sich?

ME: Der Stuttgarter Beitrag ist eine großartige Sache und unterstützt jedes Jahr eine Vielzahl von tollen Projekten, für die sonst kein oder nur wenig Geld zur Verfügung stehen würde. Hier wird zum Beispiel um Spenden für eine Kirchenrenovierung gebeten, für die Hospizarbeit oder für ganz allgemeine Zwecke, d.h. die Spenden werden da eingesetzt, wo sie gerade benötigt werden.

RED: Okay, aber an dieser Stelle fragt sich jetzt bestimmt so manch einer „ Warum bittet die Evangelische Kirche in Stuttgart denn um Spenden? Die bekommen doch schon meine Kirchensteuer…“

ME: Ja, diese Frage ist durchaus berechtigt. Durch die gute Konjunktur fließen zur Zeit die Steuereinnahmen und ganz vieles wird ja auch über die Kirchensteuer finanziert. Aber die Kirche hat auch den demographischen Wandel im Blick und somit die Aufgabe, sorgsam mit dem Geld umzugehen. Das heißt, dass viele zusätzliche Projekte in den Gemeinden, die auch dem Gemeinwohl zu Gute kommen, nach wie vor nur über Spenden finanziert werden können. Ein gutes Beispiel ist hierfür das neue stationäre Kinder- und Jugendhospiz in Stuttgart. Träger ist der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart und es wird zu einem Großteil über Spenden finanziert. Die Kassen übernehmen nur den Aufenthalt des erkrankten Kindes. Der Aufenthalt der Eltern und Geschwisterkinder wird zu 100% über Spenden getragen. Hierfür braucht das Kinder- und Jugendhospiz ca. 700.000 Euro pro Jahr.

RED: Wow, enorme Leistung mit unschätzbarem Wert. Bleiben wir doch mal bei dieser hohen Spendensumme. Jemand würde gerne unterstützen, ist sich aber unsicher, ob seine 20 Euro überhaupt etwas bewirken können. Wie steht´s denn damit?

ME: Jeder Cent zählt und gerade auch die vielen kleinen Spenden sind sehr wichtig, um Angebote aufrecht erhalten zu können. Mit 20 Euro kann zum Beispiel im aktuellen Kinderkirchenprojekt Bastelmaterial für einen Nachmittag eingekauft werden. Nur gemeinsam mit allen in der Gemeinde ist es zu schaffen, dass so tolle Projekte eine Zukunft haben und überhaupt möglich sind.

RED: Also für jeden Geldbeutel was dabei – toll! Und nicht nur das: Du bist auch für die Kirchengemeinden selbst vor Ort ein Gewinn. Erzähl mal…

ME: Mit zu meinen Aufgaben gehört es auch, Kirchengemeinden vor Ort bei Spendenprojekten zu beraten. Meist handelt es sich dabei um Renovierungsarbeiten in der Kirche oder den Gemeinderäumen. Vieles wird auch hier über die Kirchensteuer und kirchlichen Zuschüsse finanziert, aber die Gemeinden müssen immer auch einen Eigenanteil stemmen. Ich komme dann in die Gemeinde und entwickle gemeinsam mit dem jeweiligen Fundraising Team vor Ort eine Strategie, die zur Gemeinde und den Gemeindemitgliedern passt. Ich beantworte aber auch gerne Fragen zum Fundraising und helfe bei der Formulierung von Spenden- und Dankesbriefen. Zuletzt war ich in einer Gemeinde, die die Gemeinderäume renovieren wollte. Es fehlten noch 20.000 Euro. Durch ganz gezielte Fundraisingaktionen ist das Geld mittlerweile zusammengekommen und die Räume sind auch schon renoviert. Solche Nachrichten freuen mich immer besonders und dann macht das Fundraising noch mehr Spaß!

RED: Ein Rat, der nicht teuer ist und sich bezahlt macht - Danke Marion und auch fürs Interview.

Kontakt: Stabstelle Fundraising Marion Ebach