Vesperkirche Stuttgart - Abschied vom "Zuhause auf Zeit"

Wenn am 3. März 2018 die 7 Wochen Vesperkirche Stuttgart zu Ende gehen, dann wird abgerechnet. Die Fakten, die bislang auf dem (Ess)Tisch liegen, scheinen für das neue Bezahlsystem „Jeder gibt, was er kann“ zu sprechen. Allein im Monat Januar waren die Spendeneinnahmen doppelt so hoch wie im Vergleich zum Vorjahr mit dem altbewährten Gutschein-Modell für 1,20 €.

© Monika Johna

Noch bis zum 3. März 2018 geöffnet: Die Vesperkirche Stuttgart

Hingegen waren die Einnahmen in der Spendenbox im Monat Februar rückläufiger. Die Abschlussrechnung liegt noch nicht vor, aber eines zumindest hat die Einführung des neuen Bezahlsystems jetzt schon gebracht: Die Gäste der Vesperkirche Stuttgart müssen in diesen 7 Wochen nicht mehr ums Essen, d. h. in diesem Fall um einen Essensgutschein, bitten und betteln, wie sie es sonst tagtäglich auf der Straße gewohnt sind. „Das nimmt ihnen den Druck und führt auch zu einer allgemein entspannten Situation für die hauptamtlichen MitarbeiterINNEN in der Vesperkirche Stuttgart, die bislang über die Essensgutscheine verfügen mussten“, so Diakoniepfarrerin und neue Vesperkirchen-Leitung Gabriele Ehrmann.

Apropos Essen, in dieser Vesperkirchen-Saison gingen täglich rund 600 Essen raus – in gewohnt leckerer Weise gekocht und zubereitet durch die Küche des Rudolf-Sophien-Stifts. Dazu kamen 1500 Becher Kaffee und die gleiche Menge an Tee. Rund 450 Vesperbeutel wurden tagtäglich an die Gäste ausgegeben.

Das „Jeder gibt, was er kann“-Motto hörte aber beim Bezahlsystem nicht auf. Denn die Vesperkirche Stuttgart, ein Projekt der Diakonie Stuttgart, wird von der Zivilgesellschaft getragen: Der eine gab als ehrenamtlicher Helfer seine Zeit, die andere Sach- oder Geldspenden und Dritte boten ihre beruflichen Kenntnisse als „Dienstleistungen am Nächsten“ an. So waren 20 Hauptamtliche und 841 Ehrenamtliche bei der Vesperkirche Stuttgart am Start ebenso wie Ärzte und Frisöre, KünstlerINNEN samt „Kultur in der Vesperkirche“-Organisator Ralf Püpke und wei-tere unzählige HelferINNEN von unschätzbarem Wert.
Einer von ihnen: Reinhold Schöndorfer, Rentner und Ehrenamtlicher in der Vesperkirche Stuttgart seit 2010. „Ich mache dieses Ehrenamt gerne und freue mich, diese Initiative zu unterstützen, denn nicht alle haben so viel Glück im Leben gehabt wie ich“, so Schöndorfer.

Ihm und auch allen anderen Helferinnen und Helfern sowie Unterstützern der Vesperkirche Stuttgart gebührt auch der Dank des Zuffenhäuser Dekans Klaus Käpplinger: “Wir haben das Thema „Solidarität“ wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Und wären nicht gerade erst die Olympischen Winterspiele zu Ende gegangen, so hätte ich allen Ehren- und Hauptamtlichen sowie Sponsoren eine Goldmedaille verliehen.“

Genauso lobenswert haben sich auch Ute Vogt (SPD), Tom Adler (DIE LINKE), Bri-gitte Lösch (Grüne) und Markus Bott (CDU) dem neuen politischen Format „Politi-ker hören zu“ der Vesperkirche Stuttgart gestellt. Im Dialog, moderiert von Uschi Götz, Landeskorrespondentin aus Baden-Württemberg für den Deutschlandfunk, erzählten 4 Langzeitarbeitslose von ihrer Lebenssituation und kamen mit den Politikerinnen und Politikern wirklich ins Gespräch. Forderungen u. a. nach mehr öffentlich geförderter Arbeit als auch nach einer Erhöhung des Hartz IV-Satzes kamen genauso zur Sprache wie die Zusage der PolitikerINNEN, diese und weitere Themen in ihre Gremien einzubringen.

Das lässt zwar aufhorchen und positiv in die Zukunft blicken, aber dennoch werden auch am 13. Januar 2019 wieder die Türen der Leonhardskirche 7 Wochen lang für die Vesperkirche Stuttgart geöffnet werden müssen und das dann bereits schon zum 25. Mal.

Bis dahin freut sich die Vesperkirche Stuttgart über weitere Spenden:

Spendenkonto der Vesperkirche Stuttgart bei der BW Bank

IBAN DE05 6005 01010002 4648 33

BIC    SOLADEST

Und wer die Vesperkirche Stuttgart nochmals Revue passieren lassen möchte...