Pfarrer Kurt Wolff nimmt Abschied von der Paulusgemeinde

„Ich will euch segnen und ihr sollt ein Segen sein" - mit dieser Verheißung hatte Pfarrer Kurt Wolff am 7. März 2004 in der Paulusgemeinde im Stuttgarter Westen seinen Dienst angetreten. Nun, fast auf den Tag genau, 14 Jahre später, nimmt er am 11. März 2018 um 10 Uhr in der Pauluskirche von seiner Gemeinde Abschied und geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Auf dieses Versprechen Gottes hat er sich stets verlassen und in vielen Rollen seinen Dienst getan. Der Kirchengemeinderat dankt es ihm mit den folgenden Zeilen, denn Kurt Wolff war:

K  akteenzüchter von Kindheit an
    Kaiser beim Neujahrskonzert des Paulus-Chores               
    Koch beim Gemeindemittagessen und bei „Männer kochen“
    Künstler bei der Gestaltung von Plakaten und Gottesdienstblättchen
    Kellner bei Mitarbeiterfesten
    Kreativer Kopf für neue Gottesdienstformen
U  nd Marianne, seine Frau, hat mit ihm den Segen Gottes ausgeteilt.Weil sie ihn unterstützt hat,
    konnte er seine Aufgaben bewältigen, als
R  epräsentant der Paulusgemeinde mit rollendem SiebenbürgerRrr auf der Kanzel,
    vor dem Altar und im Traubsaal, als
T  ellerwäscher in der Küche,
    Pastor, Seelsorger, Prediger,
    Geschäftsführer, Entertainer, Fotograf,
    Graphiker, Chef, Organisator, Einkäufer,
    Ausstellungskurator, Gesprächspartner, Literaturkenner, Vorleser.

W
orte waren sein Handwerkszeug.
    Seine Predigten waren theologisch fundiert und sorgfältig geschliffen.
O
  pa ist er inzwischen geworden und ist es gern. Jetzt wird er mehr Zeit für die Enkel haben.
L  eider nicht im Stuttgarter Westen, sondern in Berlin.
F  rieden war sein Anliegen, nicht nur im ökumenischen Friedensgebet, 
    aber da ganz ausdrücklich.
F  liegen in vielen Dessins, Brillen in verschiedensten Farben,
    Stolen zum Talar waren seine besonderen Kennzeichen.

6 Fragen an Kurt Wolff...

© Kurt Wolff

Pfarrer Kurt Wolff mit seiner Frau Marianne

Logisch, dass wir diesen Mann nicht ohne ein Interview einfach so gehen lassen konnten.

RED: Lieber Herr Wolff, am 11. März 2018 findet Ihr Abschiedsgottesdienst in der Paulusgemeinde statt, bevor Sie dann in den Ruhestand gehen. Damit waren Sie 14 Jahre Pfarrer im Stuttgarter Westen. Was hat Sie in dieser Zeit am meisten geprägt?

KW: Das Lebensgefühl, das die Menschen in diesem doch so besonderen Stadtteil haben un der rasante Wandel in der demographischen Zusammensetzung in diesem Teil der Stadt.

RED: Erzählen Sie doch mal von einer tollen oder bewegenden Begegnung bzw. einem Erlebnis aus den 14 Jahren Pfarrer in der Paulusgemeinde…

KW: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ sagt Martin Bube und es fällt mir schwer die „bewegende“ oder besonders „tolle“ Begegnung oder ein entsprechendes Erlebnis herauszupicken. Es gab einfach deren ganz viele. Ganz besonders berührt haben mich die Anlässe, bei denen Kunst, Musik und Wort - nicht nur der Heiligen Schrift - aufeinandertrafen. Solche Veranstaltungen wurden  für die unterschiedlichsten Menschen zum ganz besonderen Erlebnis. Jetzt vielleicht doch noch etwas „Tolles“: Nach einem im Deutschlandfunk übertragenen Gottesdienst bekam ich unzählige Rückmeldungen u. a. eine aus Peking und eine aus Wladiwostok.

RED: Ihr Abschiedsgottesdienst findet am 11 März 2018 statt. Verraten Sie uns, worum es in Ihrer Predigt gehen wird?

KW: Kann ich noch gar nicht verraten, da bis dahin noch einiges zu erledigen ist. Sicher wird es aber in der Predigt im Abschiedsgottesdienst auch um Abschied und Neuanfang gehen.

RED: Paulus und der Stuttgarter Westen – was werden Sie heute schon davon in Ihrem Ruhestand vermissen?

KW: Die kurzen Wege einerseits in die Stadtmitte mit fast allem, was dazugehört, und andererseits in die Natur mit Birkenkopf, Bärensee und Kräherwald.

RED: Jetzt waren Sie ja einige Jahre hier im Westen verortet. Welchen neuen Herausforderungen müssen sich die Paulusgemeinde und damit auch der Stuttgarter Westen in den nächsten Jahren stellen?

KW: Ich meine, es muss auf die demographischen Veränderungen reagiert werden. Das Thema "Junge Familien mit Kindern" muss dringend auf die Tagesordnung.
 
RED: Der Apostel Paulus – nachdem Ihre Kirche im Westen benannt ist - war auf seinen Missionsreisen zwischen Jerusalem und Korinth viel im östlichen Mittelmeerraum unterwegs. Wohin wird es Sie in Ihrem Ruhestand ziehen und was ziehen Sie sonntags statt einem Talar an?

KW:
Das Mittelmeer, das meine Frau und ich sehr lieben, und an dessen Gestaden wir manchen Spuren des Apostels Paulus nachgegangen sind, rückt etwas weiter weg. Daher werden wir versuchen, die Ostsee und ihre Reize zu entdecken, vielleicht auch den Spuren des Bonifatius, des „Apostels der Deutschen“ nachzuspüren.
Am Sonntag werde ich nach wie vor „Sonntagskleidung“ tragen und hoffe, dass ich ab und an auch wieder mal den Talar tragen darf - aber bitte mit Stola.

RED: Ihnen, lieber Herr Wolff, und Ihrer Familie alles Liebe und Gute für den Ruhestand, auf dass Sie weiterhin auf spannenden Pfaden durchs Leben wandeln und wandern.