20 Jahre Cannstatter Forum

Einmal im Jahr wird im Cannstatter Ludwig-Raiser-Haus eifrig diskutiert und das Mikrofon wandert durch die Reihen der ZuhörerINNEN. Dann weiß jeder in Cannstatt und über die Stadtgrenzen hinaus: 31.10. - Reformationstag - Cannstatter Forum. In diesem Jahr wird es spannend und feierlich zugleich, denn das 20. Jubiläum dieses Talkformats steht an.

Mitorganisator, Pfarrer Til Bauer von der Cannstatter Steiggemeinde, sorgt im Interview schon mal für Vorfreude.

RED: Das Cannstatter Forum feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum, es wurde also 1998 aus der Taufe gehoben. Wie kam´s dazu?

TB: Unter der Federführung von Pfarrer Gerd Ziegler entstand 1998 der Gedanke im Dekanat Bad Cannstatt, eine Podiumsdiskussion ins Leben zu rufen. Man wollte gesellschaftlich relevante Themen mit christlichen Gesichtspunkten ins Gespräch bringen. Dieser Grundgedanke begleitet uns durch all die Jahre bis heute.

RED: Ich habe mal das Wort „Forum“ im Duden nachgeschlagen. Da findet man Umschreibungen wie “geeigneter Personenkreis, der eine sachverständige Erörterung von Problemen oder Fragen garantiert“, „öffentliche Diskussion“ oder „Platz in altrömischen Städten als Ort der Rechtspflege, der Volksversammlung o. Ä.“. Was trifft davon auf Cannstatt bzw. das Cannstatter Format zu?

TB: Der Name „Forum“ hat in Cannstatt eine lange Tradition: Im Jahre 90 n. Chr. besiedelten die Römer Cannstatt und bauten das Römerkastell auf. Für die Römer war ein Forum ein Ort der Volksversammlung an dem man miteinander ins Gespräch über Gott und die Welt kam. Auch noch Jahrhunderte später versammeln wir uns – meistens im Ludwig-Raiser-Haus – und diskutieren über Gott und die Welt: Unter einem fachkundigen Moderator laden wir zu einem aktuellen Thema Referenten aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu einem zweistündigen Podiumsgespräch ein. Nach einer guten Stunde ist das Publikum gefragt: Wortmeldungen aller Couleur sind erwünscht.

RED: Im vergangenen Jahr gab es eine Doppel-Ausgabe des Cannstatter Forums – zur Bundestagswahl und zum 500-jährigen Reformationsjubiläum. Wie geht das zusammen, Politik und Religion?

TB: Laut Karl Barth, einem der einflussreichsten Theologen des 20.Jahrhunderts, hat ein Christen in der einen Hand die Bibel und in der anderen Hand die Zeitung. Bibel und Zeitung – Religion und Politik müssen immer wieder neu ins Gespräch gebracht werden. Dabei muss die eine oder andere Spannung ausgehalten werden. Als Christen lassen wir uns leiten von dem Motto „Sucht der Stadt Bestes“ (Jeremia Kapitel 29 Vers 7).

RED: Wie wahr, wie wahr... So, und dieses Jahr wir auf dem Podium die gleiche Frage diskutiert wie im Gründungsjahr 1998: Deutschland – Standort mit Zukunft? Wege für die Arbeit in Stadt und Land. Wer sind die Gäste und wer moderiert die Jubiläumsausgabe?

TB: Natürlich hat sich in den 20 Jahren zwischen 1998 und 2018 viel getan. Dennoch war wir verwundert, wie aktuell das Thema des ersten Cannstatter Forums für unsere heutigen Ohren klang. So beschlossen wir, dasselbe Thema für die Jubiläumsausgabe zu nehmen.

Die Gäste dieses Jahr sind:

Dr. Michael Jantzer, Leiter der zentralen Entwicklung bei Bosch und Abteilungsleiter mit Standorten in Stuttgart, Shanghai, Bangalore und Farmington Hills
Prof. Dr. Caroline Kramer, Karlsruher Institut für Technologie, Lehrstuhl für Humangeographie und Geoökologie
Bernd-Marcel Löffler, Bezirksvorsteher Bad Cannstatt
Uwe Meinhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Stuttgart

Die Moderation übernimmt Karl-Ulrich Gescheidle, Wirtschafts- und Sozialpfarrer an der Evangelischen Akademie Bad Boll.

RED: Wow, was für eine Gästeliste… Doch das eine ist, was auf dem Podium diskutiert wird. Wie aber können die BesucherINNEN am Cannstatter Forum teilnehmen?

TB: Nach einer guten Stunde wird das Mikrofon ins Publikum gereicht. Ich erinnere mich an zahlreiche lebhafte und kontroverse Diskussionen. Es ist nicht immer einfach, unterschiedliche Meinungen stehen zu lassen. Oft tauschen wir uns im Anschluss an die Veranstaltung weiter aus.

RED: Zum Schluss noch das Wichtigste in Kürze: Wann und wo findet die Jubiläumsausgabe statt und wie steht es um Anmeldung und Kostenbeitrag?

TB: Das Cannstatter Forum 2019 zum Thema „Deutschland – Standort mit Zukunft?“
Wege für die Arbeit in Stadt und Land ist unsere 20-jährige Jubiläumsausgabe und findet am Mittwoch, 31. Oktober von 19 – 21 Uhr im Ludwig-Raiser-Haus, Wilhelmstraße 8 in 70372 Stuttgart-Bad Cannstatt statt.  Der Eintritt ist frei und es ist auch keine Anmeldung erforderlich.
Einfach mit der U1,U2, U13 zum „Wilhelmsplatz“ bzw. mit der S1,S2,S3 nach „Bad Cannstatt“ kommen.Wir freuen uns auf Sie!

RED: Vielen Dank, Til und wir sehen uns!