1. Evangelischer Kirchenkreistag Stuttgart

Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart findet vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 der 1. Evangelische Kirchenkreistag Stuttgart statt. Die kleine Ausgabe des „Stuttgarter Kirchentags“ steht in den vier Stuttgarter Dekanaten S-Mitte, Bad Cannstatt, Degerloch und Zuffenhausen unter dem Motto „Aus heiterem Himmel“. „Ein Fest mit zwei Zielen. Zum einen sollen sich die 63 Kirchengemeinden besser kennenlernen, einander begegnen und dabei „Best Practice”-Beispiele austauschen. Zum anderen laden wir Interessierte und Neugierige aus Stadt und Region zur Begegnung mit der Evangelischen Kirche in Stuttgart in ganz verschiedenen Arbeitsfeldern ein“, so Stadtdekan Søren Schwesig.

Das 3-tägige Programm kann sich sehen lassen: Der Samstag wird ein Tag voller Themenzentren und Workshops. An 13 verschiedenen Orten werden zwischen 10 Uhr und 18 Uhr unterschiedlichste Themen und Möglichkeiten des aktiven Tuns angeboten. Im Turnus von 2 Stunden mit 1 Stunde Pause können Interessierte sich über aktuelle kirchliche Themen informieren, mit anderen ins Gespräch kommen und dabei das vielfältige kirchliche Leben in den verschiedenen Kirchengemeinden in Stuttgart kennenlernen und ausprobieren. Die 1 Stunde Pause dient zum Gespräch, aber auch zum Ortswechsel und um sich mit Imbiss und Getränken zu verpflegen. Alle Zentren sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und teilweise barrierefrei. Einige der Themenzentren sind speziell für Familien mit Kindern geeignet. Das Motto „Aus heiterem Himmel“ kommt dann ganz besonders am Sonntag bei den Gottesdiensten zum Tragen. Heiter soll es zugehen unter Gottes Himmel, der sich räumlich und spirituell über alle vier Dekanate spannt. An 17 verschiedenen Orten werden zentrale Gottesdienste gefeiert. Die Dekanin und die Dekane gehen an diesem Tag gezielt “fremd” und halten im benachbarten Kirchenbezirk jeweils um 10 Uhr Predigtgottesdienste. Außerdem werden den ganzen Tag Gottesdienste in besonderen Formen gefeiert - siehe Programmheft.

Den Auftakt zu den 3-tägigen Feierlichkeiten am Freitagabend (ab 18 Uhr) macht Maren Kroymann – Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin und vielen noch aus der ARD-Familienserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ und als "Nachtschwester Kroymann" bekannt. Der perfekte Einstieg in das 3-tägige Jubiläumswochenende, denn bei Apero und Imbiss präsentiert die Grimme-Preisträgerin im Hospitalhof Lieder aus ihrem Programm “In my Sixties” und talkt über Biografisches, Frauen und Männer, das Älterwerden und ihre Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirche. Dazwischen gibt es kleine Kostproben: Einspielungen aus ihrem aktuellen Sketch-Comedy-Programm in der ARD “KROYMANN”. Und das Beste daran: Der Eintritt ist frei!

Im Anschluss an „Nachtschwester Kroymann“ geht das Kirchenkreis-Geburtstagsfest im Innenhof des Hospitalhofs mit Essen, Trinken und Begegnung mit alt bekannten und neuen Gesichtern weiter.

6 Fragen an Maren Kroymann...

© MKnickriem

Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin Maren Kroymann

Und da Vorfreude bekanntlich die schönste Freude ist, hat unsere Redaktion schon mal ein bisschen mit Maren Kroymann über Gott und die Welt geplaudert...

RED: Liebe Frau Kroymann, denkt man an die Schauspielerin Maren Kroymann und das Thema Kirche, sind wir sofort wieder im Jahr 1988 und haben die ARD-Familienserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“, die im Pfarrhaus in Talberg, einem fiktiven Vorort von Stuttgart, spielt, auf dem Schirm. Woran erinnern Sie sich noch?

MK: Es waren ganz einfach großartige Drehbücher. Speziell die Rolle der Pfarrersfrau war geradezu wegweisend modern. Ich spielte die erste Serienmutter im Deutschen Fernsehen, die sichtbar von der Frauenbewegung beeinflusst war - mit allem, was dazu gehört. Die Pfarrersfrau, die ich spielte, war im Hauptberuf Lehrerin und weigerte sich, ihren Beruf aufzugeben. Sie lehnte es - aus Gewissensgründen - ab, den Bibelkreis zu halten: „I kann des net, I glaub net an Gott“. Mein Filmpartner Robert Atzorn und ich verkörperten ein Pfarrersehepaar, das noch Sex hatte. Nicht, dass man das direkt gesehen hätte, aber es kam deutlich rüber. Und es war ein Skandal!

RED: Echt skandalös - aber mal im Ernst, in Ihrer Filmrolle als Pfarrersgattin Claudia Wiegandt hat der Weg Sie ja des Öfteren in eine Kirche geführt. Gehen wir mal weg von der Filmrolle, ist Maren Kroymann eine Kirchgängerin?

MK: Ich gehe nicht oft „in die Kirche“, aber ich gehe gerne „in Kirchen“. Ich schätze die Ruhe und Konzentration, die von diesem Ort „Kirche“ ausgeht. Und ich schätze das gerade in Städten oder Ländern, in denen ich nicht zu Hause bin.

RED: In die Kirche gehen ist das Eine, an Gott oder eine andere höherer Macht zu glauben das Andere. Wo stehen Sie?

MK: Ich bin kein besonders gläubiger Mensch, aber das vor protestantischem Hintergrund. Ich habe klare Werte, die sich mit zentralen Aspekten des christlichen Glaubens vereinbaren lassen: Solidarität, gesellschaftliches Engagement, Wahrhaftigkeit. Den Satz „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ finde ich ziemlich klasse. Das Bedürfnis, hinter eine zur Schau getragene Fassade zu blicken - also den „Schein“ in Frage zu stellen - treibt mich auch als Kabarettistin an.

RED: Sie sind in Tübingen aufgewachsen und haben wie so viele aus dem "Ländle" den Sprung nach Berlin gewagt. Wie kam es dazu?

MK: Ich musste einfach dringend von zu Hause weg! Ich war ja sehr behütet aufgewachsen. Nach zwei Studienjahren in Tübingen, in denen ich auch schon Theater spielte und eine gewisse Aufbruchsstimmung an Lockerheit, Freiheit und Selbstbestimmtheit kennengelernt hatte, verbrachte ich ein weiteres Studienjahr in Paris. Dort war es normal, zu politischen Demonstrationen auf die Straße zu gehen - für mich eine völlig neue Erfahrung. Danach konnte es nur in Berlin weitergehen, wo Studentenbewegung, Frauenbewegung und vor allem die Abwesenheit der gewohnten sozialen Kontrolle mich anzogen und begeisterten.

RED: Jetzt müssen sich Stuttgart und das Ländle ja nicht wirklich verstecken. Wo führt Sie Ihr Weg hin, wenn Sie in Stuttgart oder Tübingen mal auf „Heimatbesuch“ oder Tournee sind?

MK: Also erst mal Wandern auf der Schwäbischen Alb. Das habe ich erst richtig zu schätzen gelernt, als ich nicht mehr in Tübingen wohnte. In Stuttgart vor allem die Kultur: Dem Ballett bin ich verbunden, weil ich als Kind von Tübingen aus die Opernballettschule besuchte. Heute aber auch zunehmend die Museen - und die tollen Theater. Im Renitenztheater trete ich ja selber auf, das ist so eine Heimat für mich, seit ich 1969 zum ersten Mal, damals noch mit dem Tübinger Zimmertheater, dort gastierte. Tübingen heißt natürlich: Familie und Freundinnen und Freunde treffen. Und gut schwäbisch essen.

RED: Maren Kroymann als Kabarettistin ist gerade ganz "en vogue" – herzlichen Glückwunsch auch noch nachträglich zum Grimme-Preis - und auch als Sängerin mit Ihrem aktuellen Programm „In my Sixties“ sind Sie viel unterwegs. Erzählen Sie mal ein bisschen darüber…

MK: Es geht in „In My Sixties“, wie immer bei meinen Bühnenprogrammen, um das Frauenbild der Zeit. Politisch, humorvoll, persönlich. Der Titel „In My Sixties“ ist doppeldeutig. Ich bin jetzt in meinen 60ern und ich blicke auf die 60er-Jahre, das heißt meine Pubertät, zurück. In diesem Spannungsfeld siedeln sich sowohl die tollen Lieder als auch die Anekdoten und Comedy-Monologe an. Ich liebe es, mit meiner großartigen, Rock’n-Roll-fähigen Band aufzutreten und zu singen! Was mich nicht hindert, aktuelle Bezüge wie zum Beispiel die #metoo-Debatte mit einfließen zu lassen.

RED: Ich sag´s ja: "en vogue"! Dann dürfen wir uns auf ein tolles Bühnenprogramm mit Ihnen freuen - schon mal vorab vielen Dank für einen großartigen Abend, Frau Kroymann, und für das Interview!

Programmheft zum 1. Evangelischen Kirchenkreistag Stuttgart