Evangelische Markusgemeinde

Im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stand die Markuskirche im Stuttgarter Süden für kurze Zeit im Jahr 1945. Am Abend des 17. Oktober fand hier ein Gottesdienst aus Anlass des ersten Treffens des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland statt. Auch Vertreter der internationalen Ökumene waren dabei. Zeitzeugen zufolge machte vor allem die spontan gehaltene Predigt von Pfarrer Martin Niemöller, der das KZ überlebt hatte, großen Eindruck. Aus Platznot wurde parallel ein Gottesdienst im Furtbachhaus gefeiert. Am folgenden Tag verabschiedeten die Kirchenvertreter das "Stuttgarter Schuldbekenntnis" , ein Bekenntnis der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Mitschuld am Nationalsozialismus. Die Kernbotschaft: "Mit großem Schmerz sagen wir: durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden." Übergeben hat dieses Schuldbekenntnis am 19. Oktober der Rat der EKD einer Delegation des Ökumenischen Rats der Kirchen. Das markierte die Wiederaufnahme der Beziehungen zur weltweiten Kirche. (Den Text des Stuttgarter Schuldbekenntnisses finden Sie unten, weitere Informationen unter www.markusgemeinde-stuttgart.de, Menüpunkt "Markuskirche".)

Die Markusgemeinde hat rund 3400 Mitglieder. Sie ist seit vielen Jahren auch der Ort, an dem die Gehörlosen aus dem Stuttgarter Raum ihre Gottesdienste feiern. Diese Gottesdienste sind monatlich und werden in Gebärdensprache gehalten. Mindestens einmal im Jahr feiern Hörende und Gehörlose einen gemeinsamen Gottesdienst hier. Für Schwerhörige werden einzelne Gottesdienste in der Markuskirche speziell mit Text-Projektion begleitet, so dass auch Ertaubte dem Gottesdienst folgen können.

 

Der frühere "Schwäbische Singkreis", heute: rondo vocale Stuttgart, probt und konzertiert seit Jahrzehnten in der Markuskirche, auch andere Chöre und Orchester treten hier regelmäßig auf, und selbstverständlich die beiden eigenen Ensembles Markuskantorei und Markusorchester.

 

Die Markuskirche, 1908 unter dem Architekten Heinrich Dolmetsch fertiggestellt, ist eine der weltweit ersten Kirchen, bei der wesentliche Teile in Eisenbeton ausgeführt sind. Ihre Innenraumgestaltung erinnert in vielem an den Jugendstil. Der steinerne Orgelprospekt ist recht ungewöhnlich, nördlich der Alpen ist nichts Vergleichbares zu finden. Außergewöhnlich ist auch die Position von Orgel und Sängerempore hinter dem Altar.

 

Die nach dem Evangelisten Markus benannte Kirche blieb im Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt. Der kupferne Markuslöwe auf dem Dach des Kirchenschiffes ist ein beliebtes Wahrzeichen für das ganze Stadtviertel.


Pfarrämter:
Pfarrer Dr. Tilo Knapp
Römerstraße 41
70180 Stuttgart
Telefon 0711/60 62 59
Fax 0711/60 49 72

E-Mail: tilo.knappdontospamme@gowaway.elkw.de

 

Pfarrerin Daniela Dunkel
Römerstraße 71
70180 Stuttgart
Telefon 0711/60 21 12

E-Mail: daniela.dunkeldontospamme@gowaway.elkw.de

 

Die Markusgemeinde im Internet: Markusgemeinde Stuttgart

 

 

Das Stuttgarter Schuldbekenntnis

"Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland begrüßt bei seiner Sitzung am 18./19. Oktober 1945 in Stuttgart Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen. Wir sind für diesen Besuch umso dankbarer, als wir uns mit unserem Volk nicht nur in einer großen Gemeinschaft der Leiden wissen, sondern auch in einer Solidarität der Schuld. Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. Gegründet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden Einflüssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen zu dem Gott der Gnade und Barmherzigkeit, daß er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkündigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.

Daß wir uns bei diesem neuen Anfang mit den anderen Kirchen der ökumenischen Gemeinschaft herzlich verbunden wissen dürfen, erfüllt uns mit tiefer Freude.

Wir hoffen zu Gott, daß durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen dem Geist der Gewalt und der Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann.

So bitten wir in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator Spiritus! (Komm, Schöpfer Geist!)"

Unterschriften :
D. Wurm (Württ. Landesbischof)
Dr. Heinemann (Rechtsanwalt, später Bundespolitiker und Bundespräsident)
Asmussen DD (Präsident der Kirchenkanzlei EKD)
Smend D.Dr. (Theologieprofessor)
D. Meiser (Landesbischof Bayern)
Dibelius (Bischof von Berlin-Brandenburg)
Dr. Lilje (Generalsekretär des Lutherischen Weltkonvents, später Landesbischof in Hannover)
Martin Niemöller D.D. (Pfarrer, später Kirchenpräsident von Hessen-Nassau)
Hahn (Pfarrer, später sächs. Landesbischof)
Lic. Niesel (Pfarrer, Theologieprofessor)
Held (Pfarrer in Essen, später Präses der Rhein. Kirche)
 
http://www.markusgemeinde-stuttgart.de/