Kurt Fuchs gibt seiner wieder entdeckten Kirche viel zurück

Kurt Fuchs ist Kirchentags-Gemeindebeauftragter, Privatquartierbeauftragter und auch sonst vielfach kirchlich engagiert. Das war nicht immer so. Jahrzehntelang hatte er seiner Kirche den Rücken gekehrt. Und sie ihm.


Stuttgart, in den 1970er-Jahren. Schwule Männer waren im braven kirchlichen Milieu nicht vorgesehen. Kurt Fuchs ist schwul. „Der liebe Gott hat’s gut mit mir gemeint, mit 24 habe ich den Mann meines Lebens kennengelernt“, sagt Fuchs, der heute 64 ist.


Eberhard hieß der Mann. Der besuchte regelmäßig die Stiftskirche, hatte seinen Stammplatz dort. Nach Eberhards plötzlichem Tod im Sommer 2008 – die Folge eines Wespenstichs – fand auch Kurt Fuchs Trost in der Kirche. Und staunte, wie offen er aufgenommen wurde, wie Diakon und Pfarrer die Trauer um seinen Liebsten ernst nahmen. „Mir ist das Herz aufgegangen, als ich bemerkte: In dieser Kirche hat sich was getan“, erzählt er.


Dafür bekommt seine wiederentdeckte Kirche viel von ihm zurück. Er ist Kirchenwächter in der Stiftskirche, arbeitet in der Beratungsstelle Kompass und in der Vesperkirche, ist aktiv in der Hospitalkirchengemeinde. Schöne Gottesdienste und Gebete haben es ihm angetan. Er singt das Stundengebet, gestaltet Gottesdienste, beispielsweise das Abendgebet in der Leonhardskirche. Sein kirchliches Netzwerk wächst und wächst, sein früheres berufliches Netzwerk – er betrieb zusammen mit Eberhard eine Catering-Firma – trat in den Hintergrund.

 

Und jetzt der Kirchentag. „Da hat mich der frühere Citydiakon Wolfgang Nebel reingeschmissen“, sagt er lachend. 1999, beim letzten Stuttgarter Kirchentag, hat er auch schon Kirchentagserfahrung gesammelt. Gemeinsam mit Eberhard hat er auf dem Killesberg eine mobile Kaffeebar betrieben. Normalerweise kalkulierten die beiden auf Messen einen Schwund an Besteck und Tassen ein. Beim Kirchentag war es anders. „Wir sind mit 24 Tassen hingegangen. Als wir gingen, waren es immer noch 24. Wir haben gedacht: Die Kirchentagsbesucher sind ganz schön verrückte Leute!“


Für seine Hospitalkirchengemeinde ist er doppelt engagiert, als Gemeinde- und Privatquartierbeauftragter. Als Gemeindebeauftragter muss er für sechs Schulen im Gemeindegebiet Quartiersbeauftragte zu finden. Noch sind nicht alle versorgt. „Beim Kirchentag habe ich Gelassenheit gelernt“, schmunzelt er. Eine hundertprozentige Planung gibt es nicht. „Es wird sich regeln“, sagt Fuchs – und wirkt dabei tatsächlich heiter und gelassen.

 

Christoph Schweizer, April 2015