Am Anfang war ein Horn - Christof Schmidt ist Ansprechpartner für die 30 Stuttgarter Posaunenchöre

Posaunist, musikalischer Grenzüberschreiter und Bläserreferent: Christof Schmidt [Foto: privat]

Der Beginn seiner Karriere als Posaunist klingt nach einer sehr guten Geschichte: als Kind kam Christof Schmidt zum Posaunenchor Öhringen – allerdings war sein erstes Instrument ein altes, unangenehm riechendes Horn. Jetzt ist Christof Schmidt Berufsposaunist und neuer Bläserreferent des Kirchenkreises.

„Bei der Vergabe der Instrumente war ich zu klein und damit nicht schnell genug. Als ich dran kam, da waren die Posaunen schon weg. Aber ich habe immer wieder zu diesen in meinen Augen viel schöneren, so herrlich glänzenden  Instrumenten geschielt“, erzählt der 41-jährige. Der Vater spielte im Posaunenchor Bitzfeld, und von dort lieh man sich dann doch irgendwann eine Posaune. Und so kam es, dass das Kind zum Üben mit seinem glanzvollen  Instrument in den Keller ging und sich dort die ersten Töne selbst beibrachte. Es ahnte freilich damals noch niemand, dass aus diesem ersten kindlichen Ausprobieren dann eine sehr erfolgreiche Karriere als Posaunist und Posaunenlehrer erwachsen würde.

Bei Rolf Bareis, heute „oberster Posaunenchörler“, sprich leitender Obmann des evangelischen Posaunendienstes in Deutschland (EPiD), lernte der Junge die ersten Schritte mit seinem absoluten Wunschinstrument. „Mir gefällt dieser warme Sound der Posaune und ihre Vielseitigkeit. Ich kann mit ihr sowohl Klassik als auch Jazz spielen, sie kann in der Blaskapelle, im Posaunenchor, im Symphonieorchester oder in der Big Band zum Einsatz kommen“, erklärt Christof Schmidt, der nie ernsthaft ein anderes Instrument zur Hand genommen hat.

Geboren ist Christof Schmidt in Schwäbisch Hall, aufgewachsen dann in Öhringen, der Vater war Schuldekan. Christof Schmidt war Teilnehmer bei Kinder- und Jugendfreizeiten und leitete eine Jungschar. Die Zeit im dortigen Jugendwerk bezeichnet er als eine ihn sehr prägende Zeit.

Mit 14 Jahren begann der Instrumentalunterricht an der Heilbronner Musikschule bei einem Lehrer, der vor seiner Flucht in die Bundesrepublik Soloposaunist am rumänischen Staatsorchester war. An der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg studierte Christof Schmidt Englisch und Musik. Es folgten drei Jahre Aufenthalt in England und das Referendariat in Sindelfingen. Sechs Jahre arbeitete der Englisch- und Musiklehrer  anschließend als Redakteur für englische Schulbücher beim Klett-Verlag, ehe er die redaktionelle Arbeit an den Nagel hängte, um sich künftig ganz der Posaune zu widmen. Seit 2006 leitet Christof Schmidt den Posaunenchor an der Stuttgarter Christuskirche, bis zum Sommer 2015 unterrichtete der Wahltübinger am Musikgymnasium in Michelbach, dazu kamen noch diverse Projekte.

Neues ausprobieren

Da wäre das Ensemble „Hohenlohebrass“ oder das Stummfilmensemble, das den Scherenschnittfilm „Aschenputtel“ der Scherenschnittkünstlerin Lotte Reiniger vertont. Oder das Blechbläserfestival „Brass in the ruins“ in Forchtenberg, bei dem Christof Schmidt für das musikalische Programm zuständig ist und den Abend in der Burgruine zu Forchtenberg moderiert. Christof Schmidt probiert und experimentiert gerne und bezieht mit der Posaune neue, bisher ungenutzte Einsatzfelder. So auch bei einem Projekt, in das er gerade mit seinem Posaunenchor der Christusgemeinde eingebunden ist. Zusammen mit dem Staatstheater Stuttgart erarbeiten die Beteiligten einen Leonard-Cohen-Abend. Christof Schmidt hat die Musik selbst geschrieben, die Schauspielerin wird die Songs des kanadischen Singer-Songwriters singen, der Posaunenchor wird spielen – eine bislang einzigartige Konstellation, denn bisher kam noch niemand auf die Idee, dass es möglich ist, Leonard Cohen und Posaunenchor zusammen zu denken.

So wie Christof Schmidt in der Musik über die Genregrenzen hinausdenkt, so geht der zweifache Vater auch seine künftige Arbeit an. Zusammenarbeit ist ihm wichtig. Christof Schmidt ist der Bläserreferent für die 30 Posaunenchöre im Kirchenkreis mit ihren knapp 800 Bläsern, „der Ansprechpartner bei allen Fragen und Problemen“, wie er sagt. „Priorität Nummer eins haben die Angebote für Jungbläser“, erklärt er. Bereits im Mai steht hierzu ein erstes Projekt, ein Begegnungskonzert des staatlichen Schulamts, auf seinem Plan. Sein Büro im Gebäude der Evangelischen Jugend Stuttgart in der Fritz-Elsass-Straße hat Christof Schmidt schon bezogen. Jetzt kann es losgehen.

Monika Johna, Januar 2016