Umweltteams auf dem Schnarrenberg

Mitte September trafen sich dieses Mal die Umweltteams aus den einzelnen Kirchengemeinden beim Deutschen Wetterdienst auf dem Schnarrenberg in Stuttgart. Ein Vortrag über Wetterphänomene, die Datenermittlungen für Wetteranalysen und -prognosen und zuletzt über die globale Klimaentwicklung mit ihren Einflüssen ließ die Zeit wie im Fluge vergehen.

6 Fragen an Volker Ruta...

Beim Thema "Umwelt" denkt man in den Tagen nach der Bundestagswahl sofort an irgendwelche Parteien und deren Parteiprogramme. Aber nein, weit gefehlt, denn die Kirche hat das Thema "Umwelt" schon von Anfang an im Blick. Die Netzwerkfäden im Kirchenkreis Stuttgart in Sachen "Umwelt" spinnt Volker Ruta, ehrenamtlicher Netzwerkkoordinator der Umweltteams. Bei ihm haben wir uns mal in Sachen "Umweltmanagement in der Kirchengemeinde" schlau gemacht.

RED: Herr Ruta, was ist denn eigentlich das „Netzwerk der Umweltteams“?

VR: In allen Evangelischen Kirchengemeinden und Einrichtungen im Kirchenkreis Stuttgart, die sich einem konsequenten und nachhaltigen umweltgerechten Handeln verpflichtet haben, gibt es  Umweltteams. Diese setzen die erforderlichen Maßnahmen im Einvernehmen mit dem Kirchengemeinderat um. Durch eine private Inititiative verständigten sich die Umweltteams darauf, sich jährlich zu treffen, um sich kennen und damit voneinander lernen zu können, gemeinsame Fragen zu erörtern und Ideen und Erfahrungen auszutauschen. Bei diesen Treffen beschäftigen sich die Umweltteams aber auch mit übergreifenden Themen wie z.B. „Laudato Si“ von Papst Franziskus, „Weshalb wir unsere Umwelterfolge immer wieder verspielen“ oder wie zuletzt „Klima und Klimaentwicklung in Stuttgart“.

RED: Welche Rolle neben Sie selbst denn innerhalb des Netzwerkes ein?

VR: Die Idee, sich zu vernetzen, war mir gekommen, als ich mich mit Kolleginnen und Kollegn in anderen Umweltteams beraten wollte und feststellte, dass ich niemanden aus einem anderen Umweltteam kannte. Ich sprach Helga Baur vom Umweltbüro der Evangelischen Landeskirche und Dekan Eckart Schultz-Berg in Bad Cannstatt darauf an, ein Netzwerk im Kirchenkreis Stuttgart zu initiieren. Sie fanden die Idee gut und  versicherten mir ihre Unterstützung. Bei einer ersten Zusammenkunft der Umweltteams ermutigten mich diese, das Netzwerk fest zu installieren.

RED: Und wofür engagieren sich die einzelnen Teams denn konkret?

VR: Was jedes Umweltteam zuerst anpackt, ist, sich einen Überblick über die umweltrelevanten Aspekte zu verschaffen, von der Heizenergie, dem Strom und Wasser sowie Abfall bis zur biologischen Vielfalt des Außenbereichs. Solch eine „Ist-Analyse“, die dann im Kirchengemeinderat beraten wird, birgt viele Überraschungen.
Was zuerst angegangen wird, an welcher Stellschraube gedreht wird, ist in Abstimmung mit dem Kirchengemeinderat Sache jedes Umweltteams. Die einen beginnen mit Energiesparlampen und regeln Umfang und Dauer der Beleuchtung, andere setzen zuerst ihren Schwerpunkt beim Verbrauch der Heizenergie und ersetzen z.B. Thermostate, regeln die Raumtemperaturen und das Lüften oder verbessern die Heizleistung der Therme. Die Verbrauche werden monatlich dokumentiert und nach einem Jahr analysiert. Das ist immer wieder spannend. Die Arbeit eines Umweltteams ist im ständigen Fluss und erschöpft sich nicht in einmaligen Aktionen.

RED: Blauer Engel, grüner Punkt – tun wir noch nicht genug für die Umwelt?

VR: Klare Antwort: nein. Wir, das sind die Menschen weltweit, wobei wir in den hochindustralisierten Ländern uns ganz besonders an die Nase packen müssen. Fast zwei Drittel der weltweiten Kohlendioxidemissionen werden von 10 Staaten verursacht. Deutschland liegt in der Hitliste der Klimasünder auf Platz 6. Es geht aber nicht nur um CO², Verseuchung und Verschwendung des Trinkwassers, gigantische Müllberge und Plastikberge in den Meeren, sondern auch um Verkümmerung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere sind weitere Stichworte.

RED: Und nochmals abschließend: Das Thema "Umwelt" ist nicht nur Aufgabe der Politik. Warum sollten sich Ihrer Meinung nach gerade Kirchengemeinden damit befassen?

VR: Wir sind Teil der einen Schöpfung. Das ist doch ein Grundverständnis für uns Christen. In den Kirchengemeinden sind wir – oder sollten wir – eine Gemeinschaft sein, die die Schöpfung nicht nur mit Worten preist, sondern auch mit Taten für die Bewahrung kämpft. Wer die Welt verändern will, der muss bei sich anfangen. Das tun wir in den Grüner-Gockel-Gemeinden. Übrigens lieben die Kirchenpfleger die Umweltteams außerordentlich, denn weniger Energie-Wasser-oder Papierverbrauch heißt weniger Kosten. Ein starkes Beispiel: Die Kirchengemeinde Heumaden-Süd hatte nach Einführung der Winterkirche und Heizungssanierung in den letzten 4 Jahren etwa 42% weniger Heizkosten.

RED: Doppelt überzeugt - und wo kann ich mich als Kirchengemeinde, die künftig in Sachen "Umwelt" aktiv werden möchte, informieren?

VR: Jede Kirchengemeinde kann sich an das Umweltbüro der Evangelischen Landeskirche in Württemberg www.umwelt.elk-wue.de und dort an Helga Baur per Mail helga.baurdontospamme@gowaway.elk-wue.de oder per Tel.: 0711 / 22 93 63-251 wenden. Es gibt nicht nur Infomaterial, Frau Baur kommt auch zu Kirchengemeinderatssitzungen gerne auch mit "Praktikern" aus einem Umweltteam.
Wer Kontakt zu einem Umweltteam sucht, kann sich auch an mich wenden heivoruta@online.de oder Tel.: 0711 /  44 49 32.

Die Netzwerktreffen der Umweltteams

Fotos: Volker Ruta