Vocatio-Gottesdienst in Bad Cannstatt

Am 7. Mai 2017 findet wieder ein Vocatio-Gottesdienst in der Stadtkirche in Bad Cannstatt statt. Der besondere Gottesdienst fällt dieses Jahr auf den Sonntag Jubilate. Auffallend dabei ist, dass an diesem Tag besonders viele Lehrkräfte anwesend sind.

6 Fragen an die Schuldekane Dr. Uwe Böhm und Hans-Peter Kürger...

© Sebastian Schritt

Die Stadtkirche in Bad Cannstatt

Während man vermuten könnte, dass ein typischer Lehrer am Sonntagmorgen erst mal ausgiebig die Wochenendzeitung liest und sich dann gegen späteren Vormittag an die ersten Korrekturen macht, ist an diesem Sonntag alles anders. Warum das so ist, hat die Redaktion mal bei den beiden Stuttgarter Schuldekanen, Dr. Uwe Böhm und Hans-Peter Krüger, nachgefragt.

RED: Am kommenden Sonntag gibt es ja wieder einen Vocatio Gottesdienst in der Stadtkirche in Bad Cannstatt. Was ist das eigentlich für ein Gottesdienst?

UB: Einmal im Schuljahr erhalten die staatlichen Lehrpersonen, die Religionsunterricht erteilen möchten, die "Vocatio" feierlich in einem besonderen Gottesdienst überreicht.

RED: Woher kommt der Begriff "Vocatio" und was bedeutet er?

UB: Nach 1945 wurde der Religionsunterricht als "Res mixta" im Grundgesetz verankert, das bedeutet, dass der Staat für den äußeren Rahmen sorgt und die Kirche sich um die inhaltliche Ausrichtung kümmert. Hierzu gehört auch die "Vocatio", also die Berufung einer Lehrperson, die den Unterricht im Sinne des evangelischen Bekenntnisses erteilt.

RED: Wie muss man sich den Ablauf eines solchen Gottesdienstes vorstellen?

UB: Die über 20 eher jungen staatlichen Lehrkräfte erhalten durch Zuspruch des Schuldekans und mit Gottes Segen die kirchliche Lehrerlaubnis. Da die Lehrerinnen und Lehrer den besonderen Gottesdienst mitgestalten, besitzt er einen dialogischen Charakter.

RED: Was wird das Predigtthema und die Predigt an diesem besonderen Sonntag sein bzw. in wie weit werden Sie es auf die Situation „zuschneidern“?

HPK: Das Thema ist das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld: Ein Ackermann sät gleichermaßen auf unterschiedlich fruchtbaren Boden; manches ist vergeblich; der Samen, der aufgeht, bringt aber vielfältige Frucht. Die Lehrkräfte werden dieses Gleichnis Jesu an verschiedenen Stationen darstellen und als Ermutigung auslegen, dass auch ihre pädagogische Arbeit nicht vergebens sein wird.

RED: Wie häufig findet so ein Vocatio-Gottesdienst statt?

UB: Einmal im Jahr - also ein besonderer Gottesdienst.

RED: Wer ist eingeladen und worüber würden Sie sich freuen?

UB: Die Bad Canstatter Kirchengemeinde ist in die Stadtkirche genauso eingeladen wie die Schulleitungen, Kollegien, Familien und Freunde der jungen Lehrkräfte. Ich freue mich jedes Mal über diesen von vielen Personen lebendig und abwechslungsreich sowie kreativ gestalteten Gottesdienst. Der Gemeinde wird wieder bewusst, dass die christliche Bildung jede Woche verantwortlich in der Schule stattfindet.