Neuer Blickfang in der Lukaskirche

Am Ostersonntag erstrahlte die Lukaskirche im Stuttgarter Osten in neuem Glanze. Nein, keine Renovierungsarbeiten, sondern ein neues weißes Parament - der Altarbehang für die Festzeiten - zierte den Altar. Dass das alte Parament inzwischen sehr in die Jahre gekommen und nicht mehr zu reparieren war, war Claudia Schwab, neue Mesnerin der Lukaskirche in der Kirchengemeinde Stuttgart Ost, sofort bei ihrem Dienstantritt aufgefallen.

Claudia Schwab, neue Mesnerin in der Lukaskirche mit dem neuen weißen Parament

Der Kirchengemeinderat sah das genauso und so wurde ein neues Parament in Auftrag gegeben. In der Paramentenwerkstatt Knotenpunkt in Backnang fanden die Gemeindevertreter die richtigen Fachleute für diese Aufgabe. Nach gründlicher Beratung entschieden sie sich für ein Motiv, das auf einem Entwurf von Robert Eberwein zurückgeht, einem Ditzinger Künstler, der 1972 verstarb.

In klarer Symbolsprache wird die Abendmahlsszene dargestellt: Ein Ring mit 12 Segmenten steht für die Jünger. Das Kreuz, das von der Mitte bis nach außen reicht, steht für Jesus. Die Elemente aus Seide wurden auf Halbleinen aufgebracht. Die Goldstickerei ist eine Handstickerei in der sogenannten "Anlegetechnik".

„Wir freuen uns, dass wir am Ostersonntag zum Festgottesdienst der Gemeinde das neue Parament vorstellen konnten“, so Pfarrer Gerd Häußler, der mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist.

Die Werkstatt Knotenpunkt in Backnang ist spezialisiert auf Textilien für den kirchlichen Bereich und hat eine lange Tradition. Hervorgegangen ist sie aus der Paramentenwerkstatt der Evangelischen Frauenarbeitsschulen e.V., die 1990 schließen musste. Elke Gassen, Lehrerin für Textilgestaltung, Wirtschaftslehre, Mathematik und Religion und seit 1990 in der Paramentik tätig, übernahm 1997 die Werkstatt. „Nach und nach konnte ich einen Teil der ehemaligen MitarbeiterINNEN wieder einstellen“, freut sich Gassen.

Derzeit arbeiten acht MitarbeiterINNEN bei ihr – alle in Teilzeit, einschließlich Gassen selbst. Handstickerei, Handweberei, Nähmaschinenstickerei und diverse Druck sowie freie Textiltechniken kommen zum Einsatz. Ihre Kunden kommen aus Nah und Fern; von Hamburg im hohen Norden bis aus der Schweiz im Süden.
Elke Gassen besucht alle Gemeinden, die sich für die Paramente von Knotenpunkt interessieren persönlich. „Ich möchte einen Eindruck vom Raum und den Lichtverhältnissen bekommen“, erklärt sie. Anschließend wird am Computer eine Auswahl an Entwürfen in Originalfotos der Kirchen eingefügt, damit die Gemeinde einen Eindruck bekommt, wie die Vorschläge in Raum und Licht wirken. „Bis zu 400 Stunden kann es dauern, bis eines der kostbaren Paramente nach Künstlerentwurf schließlich fertig ist“, sagt Gassen.

Für die Lukaskirche hat sich dieser Aufwand gelohnt. Wer an Ostern nicht die Gelegenheit hatte, das neue Parament in der Lukaskirche zu bewundern, der muss sich noch bis Weihnachten gedulden, wenn es dann wieder hervorgeholt wird.
Die Werkstatt Knotenpunkt ist da noch ein bisschen schneller. Sie veranstaltet jedes Jahr im November einen Tag der offenen Tür, bei dem man die Werkstatt kennenlernen und den Mitarbeitenden bei der Arbeit über die Schulter schauen kann.
Mehr Infos unter Knotenpunkt - Werkstatt für Textiles.


Text & Bild: Sabine Keller