Stuttgarter Citykirchen legen neues Programm vor

Die Stuttgarter Citykirchen starten in die neue Saison 2018: Lesungen, Konzerte, Stadtführungen im Wechsel mit geistlichen, seelsorgerischen und meditativen Angeboten. Das Citykirchen-Konzept ist vielfältig und ganz nach dem Motto der Evangelischen Kirche in Stuttgart: In der Stadt. Mit der Stadt. Für die Stadt. Wir blicken hinter die Kulissen und stellen die MacherINNEN und deren Konzeption vor.

6 Fragen an Citykirchen-Pfarrer Eberhard Schwarz...

© Kai Loges & Andreas Langen

Eberhard Schwarz, Pfarrer an der Hospitalkirche - eine der Stuttgarter Citykirchen

Die drei evangelischen Citykirchen - Hospitalkirche, Stiftskirche, Leonhardskirche - schwingen einen eleganten Bogen rund um das Stuttgarter Rathaus und stehen somit im Zentrum der Landeshauptstadt.
Bei Hospitalkirchenpfarrer Eberhard Schwarz haben wir mal nachgefragt, was diese Kirchen außer ihrer zentralen Lage noch alles ausmacht, worin sie sich unterscheiden und wie sich Citykirchenarbeit 2.0 definiert.

RED: Herr Schwarz, fangen wir mal ganz vorne an: Es gibt den City Roller, einen zusammenklappbaren Roller, mit dem man schnell innerhalb einer Stadt von A nach B kommt -  das City Center, meist ein Einkaufszentrum in mitten einer Stadt gelegen – und in Stuttgart gibt es Citykirchen. Was macht diese Kirchen - abgesehen von ihrer Innenstadtlage - aus?

ES: Die drei Citykirchen samt der Schlosskirche gehören schon durch ihr Alter, durch ihre Geschichte und durch ihre Lage zu den Attraktionen der an historischer Bausubstanz armen Stadtmitte Stuttgarts.
Sie sind ein herausragender Speicher von Stadt- und Landesgeschichte und allem voran lebendige und offene Orte. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern. Alle drei Kirchen ziehen jeden Tag eine Masse von Passanten an. Es sind zentrale und weithin sichtbare kirchliche Orte, die mit ihren Profilen und Angeboten Schaufenster sein wollen für die Buntheit und Vielfalt evangelischen Lebens in Stuttgart insgesamt.

RED: Welche unserer evangelischen Kirchen gehören denn zu den Citykirchen dazu?

ES: Historisch gesehen prägen die drei „Aberlin-Jörg-Kirchen“, also die Stifts-, die Leonhards- und die Hospitalkirche das Bild der Stuttgarter Innenstadt. Wenn ich die urbane Entwicklung der City ansehe, dann könnte ich mir auch die Johanneskirche als eine vierte Citykirche vorstellen.

RED: Und welche inhaltlichen Schwerpunkte haben unsere drei Citykirchen und warum?

ES: Wir haben, um diese "Schaufensterfunktion" zu gewährleisten, drei Profile entwickelt, die sich in den Angeboten unserer Kirchen abbilden: die Hospitalkirche ist der Bildung, der Kultur und dem Experiment verpflichtet und hat ein besonderes spirituelles Angebot.
Die Leonhardskirche hat schon durch ihre Lage im Rotlichtmilieu einen diakonischen Schwerpunkt, der durch die absehbaren Entwicklungen dieses Stadtteils noch einmal neue Qualität bekommen wird.
Die Stiftskirche ist und bleibt die Zentralkirche - nicht nur der Stuttgarter Kirchengemeinden, sondern auch unserer Landeskirche und hat entsprechend ein hochkarätiges, insbesondere musikalisches Profil.

RED: Wie sieht die klassische Citykirchenarbeit aus und was bedeutet sie im Speziellen in Stuttgart?

ES: Citykirchenarbeit ist nichts Statisches - sie verändert sich mit der Stadt. Vor einigen Jahrzehnten waren die Innenstädte europaweit soziale Brennpunkte. Entsprechend sah die Arbeit in den Kirchen der Stadtzentren aus. Heute, im Zug der kommerziellen und kulturellen Wiederbelebung der Innenstädte, sind es zunehmend Orte, an denen sich die Buntheit der globalen Gesellschaft einfindet, feiert, flaniert und neben vielem Anderem auch etwas von Kirche erleben will. Insbesondere in der Stiftskirche und in der Hospitalkirche, in anderer Weise auch in der Leonhardskirche, erleben wir, wie die Menschen teilweise von weither kommen, um an den Gottesdiensten und an den Konzerten und Veranstaltungen teilzunehmen. Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, die Kirchen so offen wie möglich zu halten. Das bedeutet auch im weltanschaulichen Sinn gesprächsbereit zu sein, gastlich zu sein und - das wird oft unterschätzt - immer wieder auch seelsorgerlich Menschen in akuten Krisen aus der ganzen Region aufzufangen und an die entsprechenden Hilfsangebote und Einrichtungen weiterzuleiten.
Unsere Kirchen sind dann geöffnet, wenn die Stadt pulsiert: in den langen Einkaufs- und Kulturnächten und bei vielen anderen Gelegenheiten.

RED: Wie kommt in der City, die ja das pralle Leben an Konsum und Unterhaltung bietet, Theologie zum Zuge?

ES: Die Theologie hat viele Chancen: eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit außerhalb der Gottesdienste und der theologischen Vortrags- und Gesprächsangebote z.B. im Hospitalhof oder in der Stiftskirche sind die Kirchenführungen, die wir machen. Ein nicht geringer Teil der theologischen Citykirchenarbeit besteht darin, dass wir mit den Kultureinrichtungen der Stadt zusammenarbeiten: Wir machen Kooperationsveranstaltungen in den Theatern, in den Museen, machen Führungen, nehmen an Podien auch in Bereichen, in denen Theologie bisher fremd war, teil. Dorthin tragen wir unser Wissen, bringen theologische und religiöse Themen ein und finden damit ein schönes Echo und eigentlich großes Interesse.

RED: Aktuell ist Ihr neuer Citykirchen-Flyer erschienen. Nennen Sie uns doch mal ein paar Highlights, die man in den nächsten Monaten auf keinen Fall verpassen sollte.

ES: Im Moment gibt es eine Reihe zu den Citykirchen und ihrer Baugeschichte, die bereits begonnen hat und die sehr gut besucht ist. Auch ein sympathisches kleines Format im Kunstmuseum erfreut sich großer Beliebtheit: "Prominente erklären Kunst". Wir freuen uns auf die Osternächte, auf den Kinderaktionstag in der Stiftskirche oder auf unseren „Stadtrundgang am Freitag vor Karfreitag“ am 23. März 2018. Weniger spektakulär, aber sehr gerne wahrgenommen, sind die stillen Zeiten in den Kirchen: Meditationen, Kurzgottesdienste und manches andere.

RED: Vielen Dank, Herr Schwarz, für die kurze Einführung in Ihre Arbeit und die Ihrer Kolleginnen und Kollegen. Das neue Citykirchen-Programmheft liegt übrigens in allen drei Kirchen bzw. im Hospitalhof aus.