Aus 5 macht 2: Gemeindefusionen 2018

Ab 2018 gibt es im Kirchenkreis Stuttgart gleich mehrere Fusionen von Kirchengemeinden. Im Dekanat Stuttgart-Mitte fusionieren die Kirchengemeinden Lukas-Lutherhaus und Gaisburg zur neuen Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Ost. Im Dekanat Bad Cannstatt machen sich gleich drei Gemeinden auf den gemeinsamen Kirchweg.

6 Fragen an 3 Pfarrerinnen und 2 Pfarrer...

© Gerd Häußler

Gerd Häußler & Wolfgang Marquardt auf dem gemeinsamen Kirchweg...

© Dr. Ulrike Sill

V.l.n.r.: Dr. Ulrike Sill, Linda Lee Zipperle und Dorothee Niethammer-Schwegler

Aus den Gemeinden Neugereut, Steinhaldenfeld und Hofen wird die neue Evangelische Kirchengemeinde Neugereut-Steinhaldenfeld-Hofen, auch intern schon liebevoll "Neusteinhofen" genannt.
Die Fusionen sind das Ergebnis des PfarrPlans 2018, der ebenso wie der anstehende PfarrPlan 2024 Stellenstreichungen vorsah und entsprechenden Handlungsbedarf erforderte.

Doch bevor es ab dem kommenden Jahr dann an die konkrete Umsetzung und Durchführung des PfarrPlans 2018, also ans "Eingemachte" geht, haben uns die drei Pfarrerinnen, Dorothee Niethammer-Schwegler (Neugereut), Dr. Ulrike Sill (Steinhaldenfeld) und Linda Lee Zipperle (Hofen) sowie die beiden Pfarrer, Gerd Häußler (Lukas-Lutherhaus) und Wolfgang Marquardt (Gaisburg), schon mal Rede und Antwort gestanden und sich zum ersten Mal gemeinsam ablichten lassen.

RED: Herr Häußler, die Lukas-Lutherhaus-Gemeinde macht sich mit der Kirchengemeinde Gaisburg auf einen neuen gemeinsamen Weg im Stuttgarter Osten. Wohin wird Sie Ihr Weg führen?

GH: "Da wächst zusammen, was zusammengehört.“ - mit dieser bekannten Formulierung lässt sich gut umschreiben, was sich die zurückliegenden Jahre zwischen unseren Gemeinden getan hat und nun mit der Fusion von Gaisburg und Lukas-Lutherhaus zu einem vorläufigen Abschluss kommt. Ab ersten Januar sind wir eine neue Kirchengemeinde. Aus Lukas-Lutherhaus und Gaisburg wird die Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart-Ost. Wir sind damit die größte evangelische Gemeinde im Osten, mit ca. 4.200 Gemeindegliedern, zwei vollen Pfarrstellen und weiterhin dem 25%-Stellenanteil an der Pfarrstelle Petruskirche-Nord. Die Geschäftsführung der neuen Gemeinde wird beim Pfarramt Lukaskirche liegen, das Gemeindeleben wird sich aber wie bisher auf die kirchlichen Standorte Gaisburg, Lukaskirche und Lutherhaus verteilen.
Ich bin begeistert von dem konstruktiven Mitgehen und dem guten Geist, mit dem alle Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte diesen Prozess gestaltet haben. Der Name Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart-Ost ist ganz bewusst ein Signal der Offenheit an die anderen Gemeinden des Stuttgarter Ostens, sich zu gegebener Zeit ebenfalls anzuschließen.
Und so feiern wir unsere Fusion gemeinsam mit einem Festgottesdienst am 14. Januar 2018, 10 Uhr in der Gaisburger Kirche.

RED: Wie haben Sie, Herr Marquardt, sich gemeinsam mit Ihrem Pfarrkollegen Häußler auf die Fusion vorbereitet?

WM: Zum Schluss ging alles ganz schnell und in großer Übereinstimmung. Im Frühjahr 2017 haben beide Kirchengemeinderäte einstimmige Beschlüsse zu dieser Fusion gefasst. Im März gab es zeitgleich Gemeindeabende sowohl in Gaisburg als auch in der Lukas-Lutherhaus-Gemeinde, die gut besucht waren. Im zu Ende gehenden Jahr 2017 trafen sich verschiedene Arbeitsgruppen aus unseren beiden Gemeinden zu den Themen Verwaltung, Gottesdienst, Feste, Musik, Fusion auf dem Weg, Öffentlichkeitsarbeit, Kinder und Jugend und erarbeiteten Vorschläge für die künftige Zusammenarbeit. Im Oktober veranstalteten wir einen Gemeindespaziergang durch die Kirchengemeinden Petrus, Gaisburg und Lukas-Lutherhaus mit 40 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Die bisherige Kooperation mit der Petrusgemeinde wird beibehalten und weiter ausgebaut. Das zeigt sich am neuen Gemeindebrief für alle 3 Gemeinden ab Dezember 2017. Das ganze Jahr 2016 über hatten wir intensive Gespräche mit der Petrusgemeinde über die Frage, ob sie nicht gleich von Anfang an bei der Fusion dabei sein möchte. Diese Gespräche wurden von Mitarbeitern des Oberkirchenrats sehr gut moderiert. Im Dezember 2016 fasste die Petrusgemeinde leider den Beschluss, nicht in die Fusion einzusteigen. In den Jahren zuvor gab es bereits intensive Gespräche aller Gemeinden im Stuttgarter Osten zum Thema Fusion -  mit allen nur erdenklichen Möglichkeiten und Konstellationen. Im Grunde gibt es diese Gespräche schon seit Jahrzehnten. Nun ist ein Anfang gemacht!
 
RED: Nochmals zu Ihnen, Herr Häußler. Bei dem Begriff „Fusion“ denkt man schnell an Verlust, Identitätskrise, Stellenstreichung. Was haben Sie dem außer „Gemeinsam ist man weniger einsam“ positiv entgegenzusetzen?

GH: Zu Beginn gab es in der Tat diese Sorge. Es ist uns aber sehr bald gelungen klarzumachen, dass es nicht um Verlust und Kürzung geht. Wir führen mit der Fusion zunächst einmal die Verwaltungsstrukturen von zwei Gemeinden zusammen, um damit für künftige Aufgaben und Herausforderungen besser gerüstet zu sein. Alles, was an Gemeindeleben besteht und gut funktioniert, soll weiterhin in Gaisburg, im Lutherhaus oder an der Lukaskirche stattfinden. Jede und jeder behält seinen vertrauten Kreis. Aber wir sind nun miteinander unterwegs und werden uns ab Januar gemeinsam überlegen, wie wir als große Kirchengemeinde das Leben in unserem Stadtteil mitgestalten wollen.

RED: In Zeiten einer geplatzten „Jamaika-Koalition“ in der Politik scheinen 3er-Bündnisse ein Wagnis zu sein. Doch Sie drei haben sich schon länger auf den gemeinsamen Kirchweg gemacht. Warum diese 3 Gemeinden, Frau Niethammer-Schwegler?

DNS: Tatsächlich sind die drei Gemeinden von ihrer Geschichte und Prägung her sehr unterschiedlich. Aber wie’s ja manchmal so ist: das Andere ist spannender als das Gleiche. So haben wir im Laufe der Jahre die Unterschiedlichkeit und Trinitarische Vielfalt als bereichernd erlebt. Natürlich spielt auch einfach die räumliche Nähe eine Rolle. Zudem kennen sich die Jugendlichen und Familien aus den verschiedenen Ortsteilen oft schon über das Schulzentrum Jörg-Ratgeb-Schule in Neugereut. Und so freuen wir uns alle auf die neue Evangelische Kirchengemeinde Neugereut-Steinhaldenfeld-Hofen. Unser Festgottesdienst findet übrigens am 1. Januar 2018 um 17 Uhr im Ökumenischen Zentrum in Neugereut statt.

RED: Nun zu Ihnen, Frau Dr. Sill. Werden Sie unterschiedliche Schwerpunkte in den Gemeinden setzen, also dort verstärkt Jugendarbeit, hier Konfiunterricht, da Altennachmittage usw.?

US: Schon länger setzen sich Arbeitskreise mit den verschiedenen Schwerpunkten in unserer Gemeinde auseinander, etwa „Kinder, Jugendliche, Familien“, „Diakonie“, „Gottesdienst“ oder das „neue Wir“. Die Kirchenmusik war für uns ein Vorbild für unsere Fusion: Dort treffen sich gemeindeübergreifend Menschen zum gemeinsamen Musizieren, gestalten Gottesdienste oder laden zu Konzerten ein. Bereits jetzt findet der Konfirmandenunterricht seit 1 ½ Jahren gemeinsam statt oder auch teilweise die Arbeit mit den Senioren. Dieser Prozess geht weiter und ich bin gespannt, was sich im Lauf des nächsten Jahres entwickeln wird und wo sich weitere Schwerpunkte ergeben. Es ist bei uns gut möglich, weil wir in den Kirchengemeinderäten und unter den Kolleginnen miteinander sehr konstruktiv „schaffen“ können.

RED: Interessant, Frau Zipperle – in Ihrer Konstellation „networken“ drei Frauen. Zufall oder ein guter und durchdachter Plan?

LLZ: Interessant, dass uns als „Frauenrunde“ diese Frage gestellt wir... Aber man könnte schon sagen, dass sich da drei zwar nicht gesucht, aber gefunden haben, denn ein besseres Team hätte ich mir für die Fusion nicht wünschen können. Unsere Zusammenarbeit in NeuSteinHofen war von Anfang an immer vertrauensvoll, konstruktiv und von einem sehr guten menschlichen Miteinander getragen. Das ist natürlich ungemein wertvoll für einen solchen Fusionsprozess und darüber hinaus. Dass man es einfach  „gut miteinander kann“, hat sich über die Zusammenarbeit der Kolleginnen hinaus auch auf der Ebene der beteiligten Gremien und MitarbeiterINNEN und in den Arbeitskreisen gezeigt. 

RED: Ganz herzlichen Dank Ihnen allen und einen guten und erfolgreichen Start in das Jahr 2018!