Die Nacht der offenen Kirchen – Ausgabe 13

Bereits zum 13. Mal lädt DIE NACHT DER OFFENEN KIRCHEN interessierte BürgerINNEN als auch Gemeindemitglieder ein, Kirchenräume der Evangelischen Kirche in Stuttgart zu erkunden bzw. neu und einmal anders zu entdecken. Doch nicht nur evangelische Kirchen sind an diesem Abend geöffnet, sondern auch katholische und neuapostolische Gotteshäuser beteiligen sich an dieser Aktion in der Pfingstnacht.

© Andreas Langen

Pfarrerin Monika Renninger ist ebenfalls in der Pfingstnacht unterwegs

Und die 20 Gemeinden wollen entdeckt werden: Mit unserem Programmheft samt Routenplaner kann man zwischen Lesungen und Lichtinstallationen oder Gottesdiensten und Groove-Musik hin- und herpendeln.

Die besten Insider-Tipps vorab hat aber schon mal Monika Renninger, Pfarrerin und Leiterin des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart, denn sie ist bereits seit Jahren hinter den Kulissen der Nacht der offenen Kirche tätig. Sie kennt die Akteure und die Entstehungsgeschichte dieses Events und darum haben wir sie zu einem kurzen Interview gebeten.

RED: „Die Nacht der offenen Kirchen“ in der Pfingstnacht –  was ist das denn genau für eine Aktion der Evangelische Kirche in Stuttgart, Frau Renninger?

MR: Die meisten Menschen denken bei „Pfingsten“ an Ferien und an Staus auf allen Straßen. Das Pfingstfest ist aber genauso wie Weihnachten und Ostern ein Hochfest der Kirche. In der Bibel wird erzählt: Gott schenkt den Jüngerinnen und Jüngern Jesu seinen Geist, um das Evangelium weiterzuerzählen. Und es geschieht: Sie trauen sich was. Sie beginnen damit, Gottesdienste abzuhalten und vom Evangelium zu sprechen. Deshalb sagt man manchmal: Das Pfingstfest ist der Geburtstag der Kirche und das haben wir zum Anlass genommen, in dieser Nacht unsere Kirchen zu öffnen und herzlich zu Begegnung, neue Entdeckungen, Gesprächen und kulturellen sowie auch kulinarischen Genüssen einzuladen, sozusagen ein besonderes "Geburtstagsfest" zu feiern.

RED: Und warum findet diese Öffnung der Kirchen zu später Stunde ausgerechnet in der Pfingstnacht statt?

MR: Wir haben natürlich auch schon morgens zum Gottesdienst offene Kirchentüren an Pfingsten so wie jeden Sonntag. Wir wollen ganz vielfältig erleben lassen, dass der Geist Gottes durch die Welt weht, deshalb sollen sich die Türen in vielen Stuttgarter Kirchen noch einmal - also in diesem Fall abends - zu besonderen Programmen öffnen: Kunst, Musik, Theater, Andachten, Lichtszenen in den Kirchenräumen. Es geht natürlich auch mit einem Gottesdienst am Abend los: Um 18 Uhr findet ein ökumenischer Gottesdienst mit Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July und seinem katholischen Kollegen Bischof Gebhard Fürst in der Stiftskirche statt. Um 19 Uhr beginnen dann die Programme in den 19 Stuttgarter Kirchen - siehe Programm.

RED: Pfingsten und das Pfingstwunder – spannen Sie uns als Theologin doch mal kurz den Bogen zur Nacht der offenen Kirchen. Geschehen da auch wundersame Dinge?

MR: Wenn Herzen, Türen und Fenster zur Welt aufgehen, ist das schon ein ziemliches Wunder, finde ich. Denn daraus entsteht wunderbare Musik, Kunst, Tanz und Theater - so vielfältig wie die vielen verschiedenen Sprachen, in denen die Jünger an Pfingsten sprechen können und verstanden werden. Ein Wunder ist es auch, wenn man genug Geistes Gegenwart hat, um in einer Situation die richtigen Worte zu finden oder die Kraft und den Mut, etwas anzupacken und nicht aufgibt. Das erleben die Jüngerinnen und Jünger Jesu an Pfingsten.

RED: Die Veranstaltung ist ja nicht ganz neu, sondern bereits seit 13 Jahren in Stuttgart etabliert und doch jedes Jahr wieder anders. Was erwartet die BesucherINNEN 2018?

MR: Das schöne Programmheft stellt 19 Kirchen im ganzen Kirchenkreis Stuttgart und darüber hinaus vor. Sie können die Fresken in der Veitskapelle bestaunen, Tango in der Marienkirche tanzen, in der Michaelskirche in Degerloch und im Ökumenischen Zentrum Neugereut Gospels hören und mitsingen. Filme gibt es in der Thomaskirche in Kaltental und in der Hospitalkirche in der Stadtmitte. In der Stadtkirche Bad Cannstatt und in der Stiftskirche können Sie auf den Turm steigen und die Stadt von oben sehen. Und eine 20. und 21. Kirche sind nun auch noch ganz kurzfristig dazu gekommen: In der Vaihinger Stadtkirche gibt es Pop und Poesie und eine Lightshow und auch die Schlosskirche in der Stadtmitte hat an diesem Abend offen ist und Heide Quandt bietet dort jeweils um 19 und 21 Uhr eine Führung an. Mit dem Programmheft in der Hand, das in allen Kirchen ausliegt, finden Sie alles! Da sind auch Hinweise auf die Öffentlichen Verkehrsmittel und Lagepläne der Kirchen notiert.

RED: Muss ich mir, ähnlich wie bei der Langen Nacht der Museen, vorab ein Eintrittsticket kaufen und mit langen Warteschlangen?

MR: Oh nein, bei uns gibt es keinen Eintrittsstau an Pfingsten! Und Kirche, Kunst und Kultur ist in dieser Nacht für jeden und jede kostenlos! Denn auch hier gilt: Den Geist Gottes kann man nicht bezahlen!

RED: Und zum Schluss ganz persönlich gefragt: Was ist Ihr diesjähriger Geheimtipp?

MR: Dieses Jahr ist die Leonhardskirche mit einem ganz besonderen Programm dabei: eine Ausstellung sowie Anstöße und Musik von Geflüchteten: „Fern der Heimat angekommen?“. Da gehe ich auf jeden Fall vorbei. Und übrigens: Am nächsten Tag, am Pfingstmontag, ist wie jedes Jahr Gottesdienst und Geselligkeit in und um die Stiftskirche mit internationalen Kirchengemeinden. Ich würde sagen: Sie verpassen bestimmt etwas, wenn Sie übers Pfingstwochenende weg und in den Stau fahren.

Programm zur Nacht der offenen Kirchen 2018