Versöhnung

Die Versöhnungskirche steht am Löwenplatz im Osten Degerlochs, 200 Meter von der U-Bahn-Station Waldau entfernt. Die Kirche liegt direkt am Wald in einem Stadtteil Degerlochs, der vor dem Ersten Weltkrieg besiedelt wurde. Pfarrer Hermann Kopp machte schon in den 30-er Jahren den Vorschlag einer "Waldkirche". Doch sie war aus angeblich "städtebaulichen Gründen unerwünscht". Erst am 27. November 1960 konnte die Versöhnungskirche, nach Plänen von Adolf und Hans Bregler, eingeweiht werden. Dass die Kirche auf quadratischem Grundriss basiert, merkt man dank der diagonalen Ausrichtung im Innern und des raffiniert darüber gelegten Daches kaum. Das Dach steigt vom Eingang her Richtung Altarraum kräftig an und trägt einen Dachreiter. Das Fenster über dem Altar wurde so ausgerichtet, dass am Vormittag Sonnenlicht auf den Altar fällt. Was die Farbgestaltung der Decke betrifft, so erzählt Hans Bregler, dass der Kirchengemeinderat einen roten Anstrich wollte. "Ich konnte nicht mehr schlafen, ich war nicht überzeugt, ging am anderen Morgen zur Baustelle, setzte mich auf die Empore und schaute...Plötzlich überkam es mich: weiß! Weiß bringt Freude und Freiheit! Gegen den Beschluss ließ ich einfach weiß streichen, ohne viel zu fragen. Einige waren mir böse deshalb." Die weiße Marmorsäule vor der Kirche stammt übrigens von dem gleichen Künstler, der das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt am Alten Schloss geschaffen hat: Elmar Daucher.
   
 
Auf dem Gebiet der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Degerloch befinden sich vier Kirchen: die Michaelskirche, die Heilig-Geist-Kirche, die Versöhnungskirche und die Hoffeldkirche. Die Gesamtkirchengemeinde zählt heute rund 6.500 Mitglieder. Bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts war das Bauern- und Weingärtnerdorf nach Möhringen eingepfarrt. Zwar bestand schon lange eine kleine Kirche, aber zu Taufe, Beichte, Kommunion und Trauung mussten die Degerlocher den Weg nach Möhringen machen. 1468 jedoch wurde Degerloch eine eigene Pfarrei, und sogleich wurde ein eigenes gotisches Kirchlein gebaut. 1621 erweiterte der Baumeister Heinrich Schickhardt das Schiff auf die doppelte Länge. Weil sich die Einwohnerzahl seit jener Zeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf das Achtfache (2.400) erhöht hatte, kam man an einem Neubau nicht vorbei, und zwar in neuromanischem Stil nach Plänen von Christian Friedrich Leins, am 23. November 1890 eingeweiht. Als damals führender Architekt Württembergs schuf er Profanbauten wie in Stuttgart die Villa Berg, den Königsbau, den Schlossplatz, die erste Liederhalle und im ganzen Land über 100 Kirchenneu- oder umbauten. Besonderer Schmuck der Michaelskirche sind die Chorfenster von Walter Kohler, dessen Vater von 1922 bis 1934 dort Pfarrer war.

Degerloch wuchs rasch weiter, so dass 1932 die Hoffeld-, 1955 die Heilig-Geist- und 1960 die Versöhnungskirche gebaut wurden. Die Hoffeldsiedlung entstand in den 30er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts.


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Löwenstr. 92
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(Mittwoch und Freitag 9 bis 12 Uhr)


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