Zufluchtsstätte Weraheim

Seit rund 100 Jahren für Mütter in Not und ihre Kinder da

Im Jahre 1909 wurde die "Kirchliche Stiftung Zufluchtsstätten in Württemberg" mit dem heutigem Weraheim, Haus für Mutter und Kind, gegründet. Als der Großfürstin Wera bekannt wurde, dass eine überforderte Mutter ihren Säugling in Stuttgart in den Bahnhofsabort geworfen hatte, wollte sie, dass jungen Frauen in Notsituationen geholfen wird.

Rund 100 Jahre später bietet das Weraheim rund um die Uhr Betreuung und Wohnmöglichkeiten für Schwangere und Mütter mit ihren Kindern an. Das Angebot richtet sich an Mütter - und, sofern sie das Sorgerecht haben, auch an Väter - , die aufgrund persönlicher und familiärer Probleme eine intensive sozialpädagogische Betreuung benötigen. Die Frauen können mit qualifizierten Mitarbeiterinnen ihre Lebensperspektive überdenken und überlegen, ob und wie eine gemeinsame Zukunft mit Kind möglich ist.

 

Zur Zeit leben 24 Frauen und eben so viele Kinder im Weraheim. Die Hälfte der Bewohnerinnen ist minderjährig. Die jungen Mütter sollen durch die Unterstützung durch das Weraheim zu einem selbstverantwortlichen Leben befähigt werden und ihren Tag strukturieren, die Eltern-Kind-Beziehung soll gefördert werden. Kinder erhalten ein geschütztes Umfeld und Förderung.

 

Oft die letzte Rettung für's Kind: die "Babyklappe"

Zur Ergänzung des bestehenden Hilfeangebotes für die betroffenen Frauen und um den Gedanken der Stifterin fortzusetzen, hat das Weraheim im Jahr 2002 eine Babyklappe eingerichtet. Dort können Mütter ihre Kinder anonym abgeben.

Die Babyklappe reagiert auf folgende Situation: Trotz aller schon vorhandenen Hilfen werden immer noch Neugeborene ausgesetzt. Jährlich werden in Deutschland circa 40 Aussetzungen bekannt. Über die Hälfte der Säuglinge überleben dies nicht. Experten schätzen die Dunkelziffer von Neugeborenen, die nicht rechtzeitig entdeckt werden oder von ihren verzweifelten Müttern getötet werden, um ein Vielfaches höher. Die Frauen, die sich zu solchen Handlungen gezwungen sehen, haben meist ihre Schwangerschaft verheimlicht oder verdrängt. Sie entbinden ihre Kinder ohne medizinische Versorgung z. B. in der Wohnung, auf öffentlichen Toiletten oder in Parkanlagen.

Gründe für Kindsaussetzungen


Die Gründe, die eine Mutter zu einer anonymen Geburt und Abgabe ihres Neugeborenen führen, können sehr unterschiedlich sein. Es können Frauen sein, die
- noch sehr jung sind und von Familie und Kindesvater keine ausreichende Hilfe bekommen. Möglicherweise erfahren sie von ihnen aus moralischen oder kulturellen Gründen noch zusätzlichen Druck.
- ihre Schwangerschaft verdrängt haben aus Scham, Unwissenheit oder Schuldgefühl.
- dem Druck des Partners ausgesetzt sind, weil sie den richtigen Zeitpunkt für eine Abtreibung "verpasst" haben.
- drogenabhängig oder ohne festen Wohnsitz sind. Sie haben u.a. Angst, dass ihnen das Kind vom Jugendamt "weggenommen" wird.

- vergewaltigt worden sind.
- keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Sie haben keinen Zugang zum sozialstaatlichen Hilfenetz.

So funktioniert die Babyklappe


Macht eine Mutter von der Abgabe ihres Neugeborenen durch die Babyklappe im Weraheim Gebrauch, wird über ein Warnsystem eine Mitarbeiterin im Hause informiert. Sie nimmt das Kind in ihre Obhut und verständigt das Olgahospital, wohin es zur medizinischen Überprüfung gebracht wird. Anschließend wird das Jugendamt informiert. Dieses leiten alle notwendigen Schritte ein, wie Bestellung eines Vormundes und Vermittlung in eine Pflegefamilie. Durch ein Informationsblatt, welches in mehreren Sprachen in der Babyklappe ausliegt, wird die Mutter auf reguläres Hilfeangebot aufmerksam gemacht und über das weitere Vorgehen informiert. Die Mutter hat acht Wochen lang die Möglichkeit, ihre Situation zu überdenken. Sie kann die Beratung der Mitarbeiterinnen des Weraheims oder der Erziehungsberatungsstellen in Anspruch nehmen. Hier kann überlegt werden, welche psychosozialen und finanziellen Hilfen es für die Mutter geben kann und ob ein gemeinsames Leben mit dem Baby möglich ist. Dabei wird der Versuch unternommen, sie an eine legale und im Einzelfall auch praktikable Lösung heranzuführen. Meldet sich die Mutter in diesem Zeitraum nicht, wird das Kind zur Adoption freigegeben. Insgesamt wurden zwischen 2002 und 2008 12 Babies - also ungefähr zwei im Jahr - an der Babyklappe des Weraheims abgegeben. Rund die Hälfte der Mütter nahm später Kontakt zum Weraheim auf.

 

Die Babyklappe versteht sich als Hilfeangebot für Frauen in extremen Notsituationen. Durch die Babyklappe wird das Leben des Findlings geschützt, wird verzweifelten Mütter die Möglichkeit gegeben, ihr Kind anonym abzugeben, ohne sich strafbar zu machen (nach § 221 StGB macht sich der Kindesaussetzung nur strafbar, wer sein Kind in eine hilflose Lage versetzt.).

Weraheim
Carola Martin
Oberer Hoppenlauweg 2-4
70174 Stuttgart
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