Die Evangelische Kirche in Stuttgart (genauer: die Evangelische Schulstiftung Stuttgart) betreibt in Stuttgart drei Schulen: Die Johannes Brenz Schule, Evangelisches Mörike-Gymnasium / Evangelische Mörike-Realschule und das Evangelische Heidehof-Gymnasium.

Die Johannes Brenz Schule mitten in der Stadt ist eine evangelische Grundschule mit Hort für den gesamten Stadtbereich Stuttgart. Unterrichtet wird nach dem Lehrplan der öffentlichen Schulen. Betreuung ab 7.30 Uhr, Mittagessen, am Nachmittag Hortbetrieb mit vielfältigen Angeboten bis 17.15 Uhr, Ferienbetreuung (außer Weihnachts- und Sommerferien).

Die Johannes Brenz Schule wurde zum Schuljahr 1991/92 eröffnet, und zwar provisorisch im Waldheim Feuerbacher Tal. Im November 1993 zog die Schule in ihr heutiges Domizil, das ehemalige Lehrlingsheim "Vereinshaus zum Johannes-Brenz" in Stuttgart-Mitte (Hohe Straße 11): ein wunderschönes Haus im Stil der Gründerzeit von 1901. Namensgeber ist der württembergische Reformator Johannes Brenz, der am 24. Juni 1499 in Weil der Stadt geboren, 1553 erster Propst an der Stuttgarter Stiftskirche wurde und der wegweisende Reformator für Württemberg war.

Die Schule mit geradezu familiärem Charakter (200 Kinder) hat den Anspruch, Kopf, Herz und Hand der Kinder anzusprechen. Freude am Lernen, am gemeinsamen Tun, die Entwicklung von Selbstvertrauen und von verlässlichen Beziehungen sowie das Entdecken und Bewahren der Schöpfung werden besonders gefördert. Die religiöse Erziehung geschieht im evangelischen Religionsunterricht für alle Kinder, sowie durch regelmäßige Gottesdienste und Rituale im Tagesablauf. Kreativität, musische und gestalterische Bildung haben einen hohen Stellenwert. In den Unterricht sind Elemente der Reformpädagogik wie Selbstbestimmtes Lernen integriert. Mit Beginn des Schuljahrs 2005/2006 hat die Schule unter dem Motto "4gewinnt!" auf das altersgemischte Lernen umgestellt: anstelle des Unterrichts in Klassenstufen lernen jetzt die 6- bis 10-Jährigen gemeinsam. Neben Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern steht den Kindern und Eltern auch eine Schulpsychologin zur Seite.

Da sich das gemeinsame Lernen und Leben nicht im 45-Minuten-Takt abspielt und jede Klasse ihr eigenes Lerntempo hat, läutet in der Johannes-Brenz-Schule keine Schulglocke. Schulleiterin ist Ruth Lemaire, die Hortleiterin Barbara Wunnerlich.

Das Evangelische Mörike-Gymnasium / die Evangelische Mörike-Realschule blickt auf eine langjährige Tradition zurück. Als 1841 die Vorgängerschule des heutigen Mörike-Gymnasiums gegründet wurde, nämlich die "Privatlehranstalt für Töchter", galt die allgemeine Schulpflicht nur für die Volksschule. Bis 1877 hatten Mädchen in Württemberg keinen Zugang zur Gymnasien oder Realschulen. Die Familie Reihlen ließ deshalb ab 1836 ihre Töchter und die befreundeter Familien bei sich zuhause von dem Privatlehrer Friedrich Weidle unterrichten. 1841 jedoch beantragten Charlotte und Friedrich Reihlen die Genehmigung einer "Privatlehranstalt" - und bekamen diesen binnen fünf Tagen genehmigt. Leiter wurde Friedrich Weidle. Schon zehn Jahre später besuchten 231 Mädchen in neun Klassen den Unterricht in der Eberhardtstraße 1, dem Reihlenschen Geschäftshaus. Mehrere Umzüge folgten ab 1856. Um die Schule dauerhaft zu sichern wurde 1873 die Aktiengesellschaft "Evangelisches Töchterinstitut" gegründet und die Schule entsprechend genannt. 1906 wurde die "Schulstiftung" als künftige Trägerin gegründet. Seit 1913 nimmt die Evangelische Kirchengemeinde an der Finanzierung teil. 1929 zog man in die Arminstraße um, wo die Mörike-Oberschule (so der Name ab 1937) beziehungsweise das Evangelische Mörike-Gymnasium (so der Name ab 1954) bis heute steht.

Die Koedukation wurde 1978 eingeführt. Zum besonderen Unterrichtsprofil des Mörike-Gymnasiums mit über 800 Schülerinnen und Schülern gehört die Unterstufenkonzeption, der Musikzug, Spanisch als dritte Fremdsprache und eine klassen- und fächerübergreifende Durchführung des naturwissenschaftlichen Praktikums. In den Klassen 5 und 6 wird ein fachpraktisches Fach angeboten, in der Jahrgangsstufe 9 ist ein Diakonisches Praktikum, in der Jahrgangsstufe 11 ein berufsorientierendes Praktikum verpflichtend. Zahllose Arbeitsgemeinschaften ergänzen das Unterrichtsangebot. Weitere wesentliche Angebote sind das Tagheim für Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7 mit Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und einem Freizeitangebot sowie das 1982 eröffnete Schülerhaus in der Böheimstraße. Die wöchentliche Andacht und Schulgottesdienste unterstreichen den besonderen Charakter einer evangelischen Schule. Besonders gefördert werden künstlerisch-musische Begabungen und Interessen (Kunst- und Musikpreis), das ökologische Bewußtsein(Solaranlage), und die Wahrnehmung demokratischer und sozialpolitischer Verantwortung (paritätisch besetzte Gemeinsame Schulrunde/ Patenschaft für das Faschismus-Mahnmal am Alten Schloss). Ein Schulpsychologe ist Ansprechpartner für die Schülerinnen und Schülern.

 

Seit 2012 ist die Schule Gymnasium und Realschule unter einem Dach. Schulleiterin ist Sonja Spohn.

Das Evangelische Heidehof-Gymnasium war bei seiner Gründung ein neuer Typ von Großstadtschule: eine "Freiluft-, Garten- und Waldschule", von Eugen Henschen im Jahre 1908 als "Reformschule Heidehof" in der Heidehofstraße 7 gegründet. Sie solle, so Henschen, "die kindlichen Nerven schonen, die das moderne Leben mit seinen Aufregungen und Überreizungen bedroht". Wenn man bedenkt, dass es Anfang des Jahrhunderts kein Radio, kein Kino, keinen Flugzeuglärm gab, kaum Verkehr und kaum Vergnügen, dann muten die Ideen von Eugen Henschen erstaunlich zukunftsfähig an. Die Gebäude wie sie heute stehen wurden 1912 errichtet: ein Schulhaus und ein Schülerheim. Eigenverantwortliches Arbeiten wurde großgeschrieben.

Evangelisch wurde die Schule 1932, denn die Schulstiftung "Evangelisches Töchterinstitut" kaufte Gelände und Gebäude. Jungen und Mädchen wurden in dieser privaten Realschule bis zur sechsten Klasse unterrichtet. Im Zuge der "Vereinheitlichung des nationalsozialistischen Erziehungswesens" ging die Evangelische Heidehofschule fünf Jahre darauf an die Stadt Stuttgart über, erhielt den Namen Uhlandoberschule, und die Schulstiftung wurde aufgelöst. 1939 hieß es: Umzug in das Gebäude der Waldorfschule auf der Uhlandshöhe.

Zwei Jahre nach Kriegsende gründeten die Evangelische Landeskirche in Württemberg und die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart die Schulstiftung neu und beschlossen 1948, die Heidehofschule (seitdem unter dem Namen Evangelisches Heidehof-Gymnasium) wieder aufzubauen - allein für Mädchen. Der Unterricht begann sogleich in der Wagenburgoberschule, der Mörikeoberschule und im evangelischen Gemeindehaus der Petruskirche. 1952 war der Wiederaufbau abgeschlossen. Die Oberstufe wurde 1958 staatlich anerkannt. Die Schulhäuser wurden 1962/65 nochmals umgebaut, um eine Aula erweitert, und das Schülertagheim eingerichtet. Letzteres dient bis heute Schülern vorzugsweise der Klassen 5 bis 7, die nach dem Mittagesssen in kleinen Gruppen bis 16.30 Uhr eine betreute Spiel- und Arbeitszeit verbringen. Eine Dependance mit  4 Klassen in Sillenbuch wurde von 1966 bis 2004 geführt. Gemeinsamer Unterricht für Jungen und Mädchen wurde 1979 eingeführt, und seit 1996 ist die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart alleinige Trägerin von Schulstiftung und Gymnasium.

Um die 800 Schülerinnen und Schüler werden von 63 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Zu den Besonderheiten zählt die "ganzheitliche Erziehung", die den sozialen, religiösen und musischen Bereich einbezieht. So wird den Klassen 10 ein Sozialpraktikum angeboten. Es gibt Arbeitsgemeinschaften in Musik, Werken, Sport, Chemie, Informatik und Umwelt. Und weil es trotz vielfältiger Entfaltungsmöglichkeiten und bei allem guten Willen auch einmal schulische oder persönliche Probleme geben kann, berät eine Schulpsychologin regelmäßig die Schüler, Lehrer und Eltern. Im Jahr 2003 wurde die Schule um einen Anbau erweitert. Es wurde Platz geschaffen für die bislang in Sillenbuch beheimateten Schüler, da das dortige Provisorium marode war und nicht weiter betrieben werden konnte. Im Zusammenhang dieses Umbaus wurde die gesamte Schule grundsaniert und neue Räume für das Fach Naturwissenschaft und Technik geschaffen. Im Jahr 2008 konnte die Schule das hundertjährige Jubiläum feiern. Schulleiter ist Dr. Berthold Lannert.

Kontakte:
Johannes-Brenz-Schule
Hohe Straße 11
70174 Stuttgart
Telefon 0711/22 26 56
Fax 0711/222 65 88

Evangelisches Mörike-Gymnasium
Arminstraße 30
70178 Stuttgart
Telefon 0711/96 02 30
Fax 0711/960 23 33

Evangelisches Heidehof-Gymnasium
Heidehofstraße 49
Telefon 0711/48 07 65
Fax 0711/480 76 80

Für die Kontakte zwischen der Kirche und den Schulen gibt es eigens einen Dekan: Schuldekan Hans-Peter Krüger, Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart.

 

 

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