Notfallseelsorge

Mitten in der Nacht steht ein Mehrfamilienhaus in Flammen. Obwohl die Feuerwehr schnell zur Stelle ist, brennt das Haus bis auf die Grundmauern nieder. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Fassungslos stehen sie nun vor ihrem Anwesen ....

"Wir können für ihren Mann nichts mehr tun. Ihr Mann ist tot", sagt der Notarzt zu der Frau, die eben noch mit ihrem Mann am Küchentisch saß. Der war plötzlich in sich zusammen gesackt, und dem Arzt gelang es nicht mehr, ihn zu reanimieren. "Das kann doch nicht wahr sein; er war doch erst 48", sagt die Frau ....

Schwerer Verkehrsunfall: Ein Auto ist gegen einen Lichtmast gerast. Der Fahrer ist nahezu unversehrt, aber die Freundin ist im Wagen eingeklemmt. Sie wird noch an der Unfallstelle sterben. Geschockt und hilflos verfolgt er die Bemühungen der Rettungsleute ....

Es sind solche und ähnliche Situationen, in denen die Notfallseelsorge Stuttgart zum Einsatz kommt. Unter den rund 40 Seelsorgerinnen und Seelsorgern der evangelischen, katholischen, altkatholischen, methodistischen und baptistischen Kirche sind Pfarrerinnen, Pfarrer, Diakoninnen, Diakone und ehrenamtlich Mitarbeitende. Sie wurden für diesen Dienst eigens ausgebildet.

 

Die Trägerschaft der Notfallseelsorge liegt bei der Feuerwehr, die fachliche und personelle Organisation bei der Kirche. Die Notfallseelsorger werden über Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienste angefordert, wenn Menschen infolge eines häuslichen Todesfalls oder eines Unfalls seelsorgerliche Betreuung brauchen. Auch im Falle einer Katastrophe sind die Notfallseelsorger gemeinsam mit ihren Kollegen aus den Nachbarkreisen zur Betreuung von Unglücksopfern, Angehörigen und Einsatzkräften vor Ort.

Pfarrer Markus Schwab-Godel, Leiter der Stuttgarter Notfallseelsorge, beschreibt: "Wir kommen, wenn die Seele in Not ist, und zwar zuverlässig, schnell und rund um die Uhr".

Die Bildung einer Notfallseelsorge geht zurück auf eine Vereinbarung der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Diözesen in Baden-Württemberg mit dem Innenministerium.


Gerufen werden die Seelsorger, von denen immer zwei sieben Tage lang in Bereitschaft sind, per Funkmeldeempfänger (Piepser) durch die Feuerwehr. Per Handy melden die Gerufenen sich bei der Einsatzzentrale der Feuerwehr. Dann wird geklärt, was wo geschehen ist und wie schnell der Seelsorger mit Privatauto oder einem Einsatzfahrzeug vor Ort sein muss.

Ausgerüstet mit einer gelben Einsatzjacke, Signalschild fürs Auto und Einsatzrucksack begibt sich der Seelsorger zum Einsatzort. Nach der Meldung bei der Einsatzleitung vor Ort wird geklärt, für welche Aufgabe man gerufen wurde. Dann wendet sich der Seelsorger dem Hilfebedürftigen zu. Um sich für ein ungestörtes Gespräch zurückziehen zu können, steht ein kleiner Bus zur Verfügung. Beendet ist der Einsatz, wenn deutlich ist, dass der Hilfebedürftige alleine oder in anderen guten Händen gelassen werden kann.

Zum Austausch und zum Verarbeiten des Erlebten treffen sich die Mitarbeiter der Notfallseelsorge alle zwei Monate. Zwei Mal im Jahr gibt es eine Fortbildung.

Für weitere Informationen:
Pfarrer Hanns Günther
Leiter Notfallseelsorge Stuttgart
Pfarramt.Stuttgart.Notfallseelsorgedontospamme@gowaway.elkw.de