Die Evangelische Kirche in Stuttgart - Geschichte und aktuelle Herausforderungen

Der 16. Mai 1534 ist der Geburtstag der Evangelischen Kirche in Stuttgart. An diesem Tag hielt Konrad Öttinger die erste offizielle, das heißt von Herzog Ulrich angeordnete, evangelische Predigt in der Stiftskirche. Dies wird 2009 beim 475-Jahres-Jubiläum der Landeskirche mit Ausstellungen, Vorträgen und Gottesdiensten gefeiert.

 

Allerdings hatte die protestantische Bewegung schon früher in Stuttgart Fuß gefasst. Der Prediger Johannes Mantel, einst Ordensbruder Martin Luthers in Wittenberg , predigte seit 1520 in der Leonhardskirche nach der "neuen Lehre" und wurde deswegen 1523 festgenommen und mit Gefängnis in Hohennagold bestraft. Bauern befreiten ihn 1525. Auch wird berichtet, dass in der Leonhardskirche im Jahr 1529 ein Mönch predigte und die Bürgerstochter Apollonie Wegbsetzer kühn ausrief: "Der Mönch lügt!" Ob sie mit ihrem Protest fortfahren durfte oder der Kirche verwiesen wurde, ist nicht überliefert. Seit 1534 jedoch wurde Kirche um Kirche in Stuttgart evangelisch, außer der Barbarakirche im Neckarvorort Hofen, dessen Herrschaft katholisch blieb – und mit ihr die Gemeinde.

 

Die ältesten Kirchen der Innenstadt sind die Stiftskirche, die Leonhardskirche und die Hospitalkirche, alle hauptsächlich im 15. Jahrhundert gebaut, wobei sie ältere Vorgängerkirchen ersetzten. Mittelalterliche Dorf- und Stadtkirchen finden sich in den Vorstädten zuhauf - etwa die Stadtkirche Bad Cannstatt, die Veitskapelle Mühlhausen, die Alte Kirche in Hedelfingen.

 

Heute:

 

Organisation: Auf dem Gebiet der Landeshauptstadt Stuttgart ist der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart (gegründet am 1.1. 2008) in vier Dekanatsbezirke gegliedert: Bad Cannstatt, Degerloch, Stuttgart(-Mitte) und Zuffenhausen.

 

In Stuttgart gibt es 66evangelische Kirchengemeinden – kleine 500-Seelengemeinden sind darunter, aber auch Gemeinden mit bis zu 8.000 Mitgliedern.

 

Die Mitgliederzahlen gehen kontinuierlich zurück. 1990 gab es noch 228.000, derzeit sind es rund 152.000 Evangelische in Stuttgart (Dezember 2015). 1975 war noch etwa die Hälfte aller Stuttgarter evangelisch, aktuell sind es noch 26 Prozent. Nur ein Teil des Rückgangs ist durch Kirchenaustritte verursacht. Stärker fallen Sterbefälle ins Gewicht (mehr Beerdigungen als Taufen – ein Blick in die Kindergärten zeigt, warum: viele Kinder in Stuttgart haben Migrationshintergrund, nur wenige Migranten sind evangelisch), außerdem gibt es mehr Weg- als Zuzüge von Evangelischen.

 

Weitere Informationen: Evangelische Kirche in Stuttgart in Zahlen, Herausforderungen der Großstadt