Briefe für Neuzugezogene - Tipps und gute Beispiele

Neuzugezogene mit einer kleinen Geste in der Gemeinde zu begrüßen – das ist eine Freundlichkeit und eine Chance, welche sich Kirchengemeinden nicht entgehen lassen sollten. Besonders in der Großstadt mit ihrer hohen Fluktuation der Wohnbevölkerung sind ein Neuzugezogenenbrief oder gar ein Begrüßungspaket Gesten, die Vertrauen und Sympathie fördern.

 

Ich habe im Herbst 2014 Stuttgarter Pfarrämter gebeten, mir Neuzugezogenen-Briefe zuzusenden. Viele haben es getan. Von manchen kamen sogar ganze Willkommens-Päckchen. Was ich bei der Lektüre der Stuttgarter Beispiele und bei der ergänzenden Internetrecherche beobachtet und gelernt habe, finden Sie hier.

 

Was Sie hier nicht finden: Den vorformulierten Begrüßungsbrief für alle Zwecke. Sie finden aber unten bei "Drei gelungene Beispiele" Links zu drei Briefen, von denen Sie sich gerne inspirieren lassen können.

 

Von Medienpfarrer Christoph Schweizer

 

 

Was ich bei der Lektüre gelernt habe:

  • Zunächst eine Selbstverständlichkeit: A&O für eine ordentliche Gestaltung sind Briefpapier und Gestaltung im Corporate Design der Gemeinde. Für Gemeinden, die kein eigenes Design entwickelt haben, empfehlen sich die Brief-Formulare, die mit dem Logo „Evangelische Kirche in Stuttgart“ entwickelt wurden (eine Überarbeitung dieses Briefbogens läuft derzeit - Fragen dazu beantworte ich gerne: christoph.schweizerdontospamme@gowaway.elk-wue.de).
  • Die meisten Gemeinden gestalten die Briefe mit persönlicher Anrede. Gut so! Es sind solche kleinen Gesten – die ja mit Serienbrieffunktion problemlos gestaltet werden können – die gut ankommen.

 

 

Zu den Inhalten:

Neuzugezogenenbrief der Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde in Stuttgart-Ost

Der Einstieg

 

Fast alle Briefe, die ich gesehen habe, holen die Angeschrieben mit wenigen Sätzen bei der Situation „Sie sind neu im Stadtteil“ ab. Das liegt nahe. Etwa so:
<<Anrede>>, wir begrüßen Sie herzlich als neues Mitglied der Kirchengemeinde Stuttgart-Heslach und hoffen und wünschen, dass Sie sich hier in Heslach und in unserer Gemeinde bald zu Hause fühlen. (Evang. Kirchengemeinde Heslach)

Man kann den ersten Absatz aber auch kürzer halten, wie Beispielsweise die Stuttgarter Nordgemeinde:
<<Anrede>>, herzlich willkommen in der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart Nord!

Charmant gelöst, wie es im Heslacher Anschreiben weitergeht:
Vielleicht haben Sie uns schon entdeckt: die Kirche an der Haltestelle „Erwin-Schöttle-Platz“ ist die Matthäuskirche. Die Kirche direkt an der Straßenbahnhaltestelle ‚Bihlplatz‘ ist die Kreuzkirche.

Wovon ich abrate: Im Eröffnungsteil einen zu „einfühlsamen“, „pastoralen“ Ton einzuschlagen. Gemeint sind Formulierungen wie:
Zunächst einmal wünschen wir Ihnen, dass Ihre Hoffnungen und Erwartungen, die Sie mit dem Ortswechsel verbinden, in Erfüllung gehen mögen.“ (Neuzugezogenenbrief einer bayrischen Kirchengemeinde)

Erfrischender ist die Begrüßung in Markt Schwaben (ebenfalls Bayern):
<<Anrede>>, Grüß Gott in Ihrem neuen Zuhause! Nachdem sie sich hoffentlich schon ein wenig eingelebt haben, wollen Sie sich sicher auch in der neuen Nachbarschaft umsehen. Zu dieser Nachbarschaft gehört die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Markt Schwaben. Im Namen des Kirchenvorstands heißen wir Sie herzlich willkommen.

 

 

"Ich" oder "wir"?

 

Die meisten Briefe formulieren überwiegend im Wir-Stil. Die Pfarrerin / der Pfarrer (wenn es nur ein/e Pfarrer/in ist) tritt im Brief als Repräsentant der Gemeinde und als Sprecher/in der Gemeindeleitung auf. Er/sie grüßt am Ende "im Namen des Kirchengemeinderates". Ich finde das richtig. Es geht ja um die Einladung in die Gemeinde.

 

 

Neuzugezogenenbrief der Stuttgarter Nordgemeinde (die Darstellung ist leider verzerrt, da die Schrifttype "Syntax" des Orginals durch die "Arial" ersetzt wurde)

Der Mittelteil

 

Im mittleren Abschnitt stellt sich die Gemeinde mit ihrem vielfältigen Leben vor. Möglicherweise gibt es einen Gemeindewegweiser und sicher auch eine Homepage. Dennoch empfehle ich, auch im Anschreiben schon einen ersten, kurzen Überblick zu geben, was in Ihrer Kirchengemeinde los ist, und auf Besonderheiten hinzuweisen. Gut ist dies im Anschreiben der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Nord gelöst.

Auch hier, im Hauptteil, rate ich ganz dringend von einem allzu pastoralen oder belehrenden Ton ab. Also bitte nicht so:
Vielleicht entdecken Sie für sich eine Möglichkeit, die Lebendigkeit unserer Gemeinde persönlich kennen zu lernen. Christlicher Glaube braucht notwendig die Gemeinschaft und nur wer mitmacht, erlebt Gemeinde und Kirche in Wirklichkeit. ‚Keiner lebt für sich alleine und keiner glaubt für sich alleine‘ (Neuzugezogenenbrief einer bayrischen Kirchengemeinde).

So wahr das auch immer ist – diese Zeilen entlarven eher den Frust des Kirchengemeinderats, weil vermeintlich so wenige die Angebote der Gemeinde annehmen. Einladend wirken sie nicht.

 

 

Schluss

 

Die Neuzugezogenenbriefe enden mit der freundlichen Einladung zu den Angeboten der Gemeinde, oft auch mit der Einladung, direkt mit Pfarrerin/Pfarrer Kontakt aufzunehmen. Letzteres wird zwar selten tatsächlich in Anspruch genommen – eine freundliche Geste ist es aber allemal. Auch hier finde ich die Formulierung der Kirchengemeinde Stuttgart-Nord vorbildlich:
Wir freuen uns, Sie bei der einen oder anderen Gelegenheit persönlich kennen zu lernen. Gerne kommen wir auch zu einem Besuch bei Ihnen vorbei! Gute Wünsche und freundliche Grüße schicken Ihre…

Oder, fast schon ein wenig umgangssprachlich, die Heslacher Lösung:
Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns. Wenn Sie es wünschen, besuchen wir Sie gerne.
Also, wir freuen uns, Sie kennen zu lernen!

 

 

Wenn Sie die Kirchenkreis-Broschüre beilegen

Broschüre des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart, Titelseite

Schön wäre es, den Neuzugezogenenbrief auch für den „Blick über den Tellerrand“ zu nutzen. Die neue Broschüre des Kirchenkreises zeigt, was die evangelische Kirche alles zum guten Zusammenleben in unserer Stadt beiträgt (was viele nicht wissen!).


Wenn Sie die Broschüre beilegen, können Sie gerne mit diesen Sätzen darauf hinweisen:

Unsere Kirchengemeinde gehört zum Evangelischen Kirchenkreis Stuttgart. Schauen Sie mal in die beiliegende Broschüre. Sie werden staunen, auf wie vielen Arbeitsfeldern die evangelische Kirche zum guten Zusammenleben in unserer Stadt beiträgt.

Drei gelungene Beispiele

Diese Neuzugezogenenbriefe finde ich gelungen. Ich danke den Urhebern der beiden Stuttgarter Briefe für die freundliche Erlaubnis, sie hier im pdf-Format zu verlinken:

 

Neuzugezogenenbrief der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Heslach

Neuzugezogenenbrief der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Nord, entworfen von der ehemaligen Gemeindepfarrerin Monika Renninger (jetzt Leiterin Hospitalhof Stuttgart).
Anmerkung zum Layout: Im Original sieht der Brief besser aus; die seltene Originalschrift "Syntax" wurde hier durch die "Arial" ersetzt.

 

Und hier noch einmal: Link zur Info für Neuzugezogene im bayrischen Markt Schwaben: http://www.marktschwaben-evangelisch.de/service/neuzugezogene.html

 

 

Ökumenischer Willkommensgruß im Stadtbezirk Plieningen

Mappe der Kirchengemeinden im Stadtbezirk Plieningen

Alle gemeinsam statt jeder für sich: Die evangelischen und die katholische Kirchengemeinden im Stuttgarter Stadtbezirk Plieningen haben gemeinsam eine ansprechende Mappe gestaltet, mit der sie ihre Neuzugezogenen begrüßen.

Eine Besonderheit: Willkommenspakete

Begrüßungsmappe der Kirchengemeinde Stuttgart-Möhringen

Auch andere Kirchengemeinden haben attraktive Mappen gestaltet, in die sie den Brief, dazu den aktuellen Gemeindebrief und Informationen über die Gemeinde und ihre Gruppen packen.

 

* Wenn es dann noch gelingt, diese Mappen passgenau zu bestücken – beispielsweise einer alleinstehenden 50-Jährigen weder das Programm des Seniorennachmittag noch die Einladung zur Krabbelgruppe zu senden, sondern Infos über das Gemeindeprogramm, das zu ihrer Lebenssituation passt, dann hat diese Gemeinde die Trophäe „einladende Gemeinde in Gold und am Band“ verdient. Mindestens.


Allerdings ist mir auch der Kommentar einer Gemeindesekretärin im Ohr: „Wenn der Kirchengemeinderat entscheidet, solche passgenauen Pakete zusammenzustellen, dann muss er aber auch dafür Sorge tragen, dass ich dafür genug Zeit habe.“

 

 

Weiterführende Links

Auf www.geistreich.de, der „Praxis-Plattform der EKD zum Austausch kirchlichen Erfahrungswissens“, gibt es eine umfangreiche, inspirierende Sammlung von Projekten und Ideen zum Thema „Gemeinde mit Willkommenskultur“:
http://www.geistreich.de/articles/371


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Tipps, Beobachtungen und Anregungen...

... nehme ich gerne entgegen und lasse sie in eine Aktualisierung dieser Seite einfließen. Schreiben Sie an christoph.schweizerdontospamme@gowaway.elk-wue.de.